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Lebensphase

Welpenfutter ab Tag 1

Vom Säugling zum Junghund: Energie, Protein, Kalzium-Phosphor-Balance, Fütterungsfrequenz. Die ersten zwölf Monate sachlich erklärt.

Alle ThemenStand: 2026-05-18

Die ersten zwölf Lebensmonate prägen den Hund nachweislich für den Rest seines Lebens. Ernährungsfehler in dieser Phase sind oft irreversibel: zu schnelles Wachstum, Knochen- und Gelenkprobleme, Übergewicht mit Folgen für die Gelenkstabilität. Die Welpenfütterung folgt klaren Regeln – sie sind nur nicht jedem geläufig, weil "Welpenfutter" in der Werbung als homogene Kategorie inszeniert wird, die sie nicht ist.

Welche Phasen unterscheidet die Welpenernährung?

Die Welpenernährung gliedert sich nach FEDIAF (2025) und NRC (2006) in mehrere Abschnitte:

- Tag 1 bis Tag 21: ausschließlich Muttermilch, idealerweise auch das Kolostrum in den ersten 24 Stunden (Antikörper-Transfer) - Tag 21 bis Tag 56: Übergangsfütterung mit angefeuchtetem Welpenfutter, parallel zur Muttermilch (Beikost-Phase) - Woche 8 bis Monat 4: Hauptwachstumsphase, höchster Energie-Bedarf relativ zum Körpergewicht - Monat 4 bis Monat 6: nachlassende Wachstumsgeschwindigkeit, Wechsel auf Junior-Futter bei großen Rassen empfohlen - Monat 6 bis Monat 12 (bei kleinen Rassen) oder bis Monat 18–24 (bei großen Rassen): Adoleszenz, langsamer Übergang zum Adult-Futter

Wie viel Energie braucht ein Welpe?

Der Energie-Bedarf eines Welpen ist nach NRC (2006) wachstumsphasen-abhängig:

- Bis 4. Lebensmonat: MER × 3,0 (ca. 250–280 kcal × KG^0,75) - Monat 4 bis 80 % des Endgewichts: MER × 2,0 - 80–100 % des Endgewichts: MER × 1,6 (Übergang zu Adult-MER)

Beispiel: Ein 3-kg-Welpe einer kleinen Rasse hat einen Tagesbedarf von ca. 130 × 3^0,75 × 3,0 = 890 kcal/Tag in der frühen Phase. Ein 10-kg-Welpe einer mittleren Rasse kommt auf 130 × 10^0,75 × 3,0 = 2.190 kcal/Tag in der Hauptwachstumsphase.

Bei Welpen großer Rassen (>25 kg adultes Endgewicht) gilt eine besondere Regel: moderates Wachstum statt Maximalwachstum. Studien zeigen, dass über-energiedichte Fütterung Skelett-Erkrankungen (HD, OCD, Wobbler) begünstigt. Hill's, Royal Canin, Eukanuba, Bosch und Josera bieten daher dedizierte Large-Breed-Welpen-Linien mit etwas niedrigerer Energiedichte (oft 350–380 kcal/100 g statt 400+).

Welche Nährstoff-Werte sind kritisch?

FEDIAF (2025) für Welpenfutter (Trockenmasse, ab 14 MJ ME/kg):

- Protein: mind. 22,5 % (Welpe), höher als beim Adult-Hund (mind. 18 %) - Fett: mind. 8,5 %, meist 12–18 % - Kalzium: 1,0–1,8 % (Welpen großer Rassen: enges Fenster, max. 1,5 %) - Phosphor: 0,9–1,6 %, Ca:P-Verhältnis 1,2:1 bis 1,4:1 - DHA + EPA: 0,05 % (für Gehirn- und Augenentwicklung, FEDIAF 2025 hat DHA für Welpen explizit aufgenommen) - L-Arginin: 1,1 % (essenzielle Aminosäure, höher als beim Adult-Hund)

Die EU-VO 767/2009 schreibt die Pflichtangaben für die analytischen Bestandteile vor – Mikronährstoffe wie Kalzium, Phosphor und DHA müssen für Welpenfutter aber häufig freiwillig ausgewiesen werden. Achte beim Vergleich auf vollständige Angaben.

Wie oft füttern?

Fütterungsfrequenz nach Alter:

- Bis 3 Monate: 4 Mahlzeiten pro Tag - 3 bis 6 Monate: 3 Mahlzeiten pro Tag - 6 bis 12 Monate: 2 Mahlzeiten pro Tag - Ab 12 Monate: 1–2 Mahlzeiten pro Tag (je nach Rasse, Aktivität, Magenphysiologie)

Bei großen und tief-brüstigen Rassen (Deutsche Dogge, Setter, Schäferhund) ist eine Verteilung auf mehrere kleine Mahlzeiten wegen des Magendrehungs-Risikos (GDV) auch im Erwachsenenalter empfohlen.

Trockenfutter, Nassfutter oder gemischt?

Beide Formen können bedarfsdeckend formuliert werden – die EU-VO 767/2009 und FEDIAF setzen die gleichen Sollwerte unabhängig von der Form. Bei kleinen Welpen ist angefeuchtetes Trockenfutter in der Beikost-Phase oft praktikabel (leichtere Aufnahme). Mischfütterung ist möglich, sollte aber tagesweise getrennt erfolgen (morgens trocken, abends nass – nicht in einer Schüssel mischen, weil unterschiedliche Verdauungs-Geschwindigkeiten zu Unverträglichkeit führen können).

Was sind häufige Fehler?

- Überfütterung mit Knochenwachstum-Schäden bei großen Rassen - Kalzium-Supplemente zusätzlich zum Welpenfutter – fast immer kontraindiziert (Komplettfutter ist bereits ausreichend mineralisiert) - Adult-Futter statt Welpenfutter zu früh füttern (zu niedriger Protein- und Mikronährstoff-Gehalt) - Selbstgemixte Rationen ohne Berechnung in den ersten zwölf Monaten (siehe BARF bei Welpen) - Zu spät auf Adult-Futter umstellen bei kleinen Rassen (führt zu Übergewicht)

Wann zum Tierarzt

Beim ersten Tierarzt-Besuch (idealerweise vor Übernahme, spätestens in der ersten Woche) wird Gewicht, BCS, allgemeine Entwicklung und Impfstatus dokumentiert. Bei Wachstumsverzögerung, Lahmheit, X- oder O-Beinstellung, anhaltendem Durchfall, Erbrechen, schlechtem Fell oder bei fehlendem Appetit über mehr als 24 Stunden ist ein Tierarzt-Besuch indiziert.

Eine professionelle Wachstumskurven-Überwachung (Wiegen alle 2 Wochen mit Eintrag in Wachstumskurve) ist bei großen Rassen besonders sinnvoll – Royal Canin und einige Tierarztpraxen bieten Wachstumskurven-Apps mit rassen-spezifischen Referenzwerten. Bei Riesenrassen empfehlen Ernährungs-Spezialisten zusätzlich eine monatliche Foto-Dokumentation der Körperform für visuelle BCS-Verlaufskontrolle. Eine Welpen-Impfung erfolgt typischerweise in Wochen 8, 12, 16, gefolgt von Boostern nach einem Jahr. Parasiten-Prophylaxe (Entwurmung) wird je nach Risikoprofil alle 4–12 Wochen empfohlen (ESCCAP-Leitlinie).

Hinweis

Dieser Beitrag ist allgemeine Information, keine individuelle tierärztliche Beratung. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen deines Tieres bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik konsultieren.