
Hundefutter bei Allergien
Futtermittelallergie beim Hund: belegte Allergen-Häufigkeiten, das Eliminationsdiät-Protokoll und warum kommerzielle Allergietests unzuverlässig sind.
Kurzantwort
Hinter dem Sammelbegriff „Allergie“ stehen beim Hund mindestens drei unterschiedliche Phänomene: IgE-vermittelte Futtermittelallergie, nicht-immunologische Futtermittelintoleranz und atopische Dermatitis mit möglicher Futterbeteiligung. Der diagnostische Goldstandard ist die streng durchgeführte Eliminationsdiät über mindestens 8 Wochen mit anschließender gezielter Provokation — erst dieser Zweischritt sichert die Diagnose 3, 4. Serumtests, Speicheltests und Haaranalysen sind wissenschaftlich nicht validiert und liefern in Studien Ergebnisse, die nicht besser als der Zufall sind 6. Die Auswahl des Diätproteins orientiert sich an der belegten Allergen-Häufigkeit: Rind, Milchprodukte, Huhn und Weizen stehen beim Hund statistisch ganz vorne 2. Dieser Ratgeber ordnet Fütterungsstrategien fachlich ein und ersetzt keine tierärztliche Diagnostik oder Therapieplanung.
Allergie, Intoleranz und Atopie: Drei verschiedene Phänomene
Der Begriff „Allergie“ wird im Alltag weit gefasst und umfasst tatsächlich mindestens drei klinisch verschiedene Entitäten, die unterschiedliche diagnostische Wege erfordern. Kutane adverse Futterreaktion (CAFR) ist der wissenschaftlich präzisere Oberbegriff für alle unerwünschten Reaktionen auf Futter. Er schließt sowohl immunologisch vermittelte Futtermittelallergien als auch nicht-immunologische Futtermittelintoleranzen ein 8. Die Prävalenz echter Futtermittelallergien unter Hunden mit chronischem Juckreiz liegt nach Schätzungen in einem einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich; eine präzise populationsweite Zahl ist aus der aktuellen Studienlage nicht sicher ableitbar 8. Futtermittelallergie im engeren Sinne bezeichnet eine reproduzierbare, immunologisch vermittelte Reaktion auf ein spezifisches Futterprotein. Klinisch zeigen betroffene Hunde häufig nicht-saisonalen Juckreiz, bevorzugt an Gesicht, Ohren, Pfoten und im perinealem Bereich, sowie rezidivierende Otitis externa und gelegentlich gastrointestinale Beschwerden wie weichen Kot oder Erbrechen. Immunologisch sind sowohl Typ-I-Hypersensitivität (IgE-vermittelt) als auch Typ-IV-Reaktionen beschrieben 7. Futtermittelintoleranz ist nicht-immunologisch. Mechanismen umfassen enzymatische Defizite (klassisches Beispiel: Laktasemangel und Laktoseintoleranz), Reaktionen auf pharmakologisch aktive Substanzen wie biogene Amine oder direkte Schleimhautirritationen. Eine Intoleranz verläuft typischerweise dosisabhängig und löst keine klassische IgE-Kaskade aus 7. Canine atopische Dermatitis ist eine genetisch prädisponierte, entzündliche Hauterkrankung, bei der Umweltallergene — Hausstaubmilben, Schimmelpilzsporen, Pollen — die Hauptrolle spielen. Futter kann bei einer Untergruppe atopischer Hunde ein zusätzlicher Trigger sein, ist aber selten die alleinige Ursache. Die klinische Überschneidung zwischen Atopie und CAFR ist erheblich und erschwert die Differentialdiagnose erheblich; eine tierärztliche Dermatologieabklärung ist in solchen Fällen unerlässlich 7. Die praktische Konsequenz dieser Unterscheidung: Ein Hund, der auf Hausstaubmilben reagiert, wird durch einen Futterwechsel allein keine vollständige Remission erfahren. Umgekehrt ist eine Eliminationsdiät bei reiner Intoleranz möglicherweise nicht mit derselben immunologischen Strenge durchzuführen wie bei einer echten CAFR. Die Diagnose bestimmt die Strategie.
Häufigste Allergen-Quellen beim Hund: Was die Daten zeigen
Für eine zielgerichtete Eliminationsdiät ist die Kenntnis der statistisch häufigsten Auslöser unerlässlich. Mueller, Olivry und Prélaud (2016) publizierten eine systematische Übersicht über 297 dokumentierte CAFR-Fälle beim Hund aus der Primärliteratur 2. Die Auswertung ergab folgende Häufigkeiten der bestätigten Auslöser (Mehrfachnennungen möglich): Rind 34 % (ca. 102 von 297 Hunden), Milchprodukte 17 % (ca. 51 Hunde), Huhn 15 % (ca. 45 Hunde), Weizen 13 % (ca. 38 Hunde), Soja 6 % (ca. 18 Hunde), Lamm 5 % (ca. 14 Hunde), Mais 4 % (ca. 13 Hunde), Ei 4 % (ca. 11 Hunde), Schwein 2 % (ca. 7 Hunde) sowie Fisch und Reis mit je ca. 2 % 2, 12. Mehrere Schlussfolgerungen sind aus diesen Zahlen klinisch relevant: Erstens sind tierische Proteine die dominanten Auslöser. Rind, Milch und Huhn zusammen machen mehr als 60 % aller bestätigten Fälle aus. Eine reflexartige Empfehlung „getreidefrei“ greift daher zu kurz: Weizen steht auf Rang vier, aber die drei häufigsten Auslöser sind sämtlich tierisch 2. Zweitens ist Lamm kein sicheres Ausweichprotein mehr. Die lange verbreitete Empfehlung, Lamm als hypoallergene Alternative einzusetzen, ist überholt — Lamm erscheint in der Auswertung ebenfalls als bestätigter Auslöser, und durch seine breite kommerzielle Verbreitung in Hundefuttern der letzten zwei Jahrzehnte sind viele Hunde längst vorexponiert 2. Drittens bestimmt die individuelle Futterhistorie das geeignete Eliminationsprotein: Nur ein Protein, das der jeweilige Hund nachweislich noch nie konsumiert hat, eignet sich als Diätprotein. Pferd, Känguru, Strauß oder Insekten kommen für viele Hunde infrage — aber auch hier gilt: Mit zunehmender Marktverbreitung sinkt die Wahrscheinlichkeit echter Naivität 2, 7. Viertens ist die Datenbasis selbst zu kontextualisieren: 297 Fälle aus der Primärliteratur spiegeln hauptsächlich klinische Populationen wider, nicht zwingend die Allgemeinbevölkerung der Hunde. Selektionsbias ist möglich. Dennoch liefert diese Übersicht die belastbarste verfügbare Quantifizierung der Allergen-Häufigkeit beim Hund.
Der diagnostische Goldstandard: Eliminationsdiät und Provokation
Die streng durchgeführte Eliminationsdiät mit anschließender Provokation ist nach aktuellem Forschungskonsens der einzige zuverlässige Weg zur Diagnose einer CAFR beim Hund 3. Mueller und Olivry (2017) formulieren dies explizit: Die Eliminationsdiät mit Provokation ist derzeit der Goldstandard zur Diagnose adverser Futterreaktionen beim Hund und bei der Katze; alle anderen Tests können für die klinische Diagnose nicht empfohlen werden 3. Dauer: Olivry, Mueller und Prélaud (2015) analysierten die optimale Diätdauer und kamen zu folgendem Ergebnis: Bei einer Diätdauer von 8 Wochen tritt bei mehr als 90 % der Hunde und Katzen mit CAFR eine vollständige Remission ein. Für die Diagnose einer CAFR bei mehr als 90 % der Betroffenen sollte die Eliminationsdiät mindestens 8 Wochen andauern 4. In der klinischen Praxis werden häufig 8–12 Wochen empfohlen, um auch langsamere Responder zu erfassen 4. Protokoll: Die Diät enthält genau eine neue tierische Proteinquelle (Novel Protein, d. h. ein Protein, das der Hund zuvor nachweislich nicht konsumiert hat) und eine neue Kohlenhydratquelle. Alternativ kann eine hydrolysierte Diät eingesetzt werden. Während der gesamten Diätphase dürfen ausschließlich die definierten Komponenten gefüttert werden — keine Leckerlis, keine kauenden Spielzeuge aus tierischen Materialien, kein Tisch-Futterrest, keine aromatisierten Ergänzungsmittel. Schon geringste Mengen eines Allergens können ausreichen, das Immunsystem zu aktivieren und die Diätphase zu invalidieren 3, 7. Provokation: Nach Eintreten der klinischen Remission — üblicherweise definiert als deutliche Reduktion von Juckreiz-Scores und Hautläsionen — folgt die gezielte Provokationsphase. Dabei wird ein einzelnes verdächtiges Protein für 1 bis 14 Tage zugefüttert. Treten Symptome reproduzierbar wieder auf, ist die Allergen-Identifikation gestützt. Bleibt die Reaktion aus, wird das nächste verdächtige Protein getestet. Dieser Schritt wird in der Praxis häufig übersprungen — ohne ihn ist die Diagnose jedoch nicht gesichert, weil eine Besserung auch durch Saison-Effekte, spontane Remission einer begleitenden Otitis oder andere Kofaktoren entstehen kann 3, 4. Praktische Einschränkungen: Eine korrekt durchgeführte Eliminationsdiät setzt Compliance aller Personen im Haushalt voraus, ist zeitintensiv und erfordert eine ernährungsphysiologisch ausgewogene Diät — ein oft übersehener Punkt. Mehrwöchige unausgewogene Selbstversuche mit hausgemachten Diäten aus wenigen Zutaten können zu Nährstoffmängeln führen, besonders bei wachsenden oder kranken Hunden. Kommerzielle Eliminationsdiäten (hydrolysiert oder Novel-Protein) sind im Regelfall nährstofflich vollständig formuliert; hausgemachte Varianten sollten tierärztlich oder ernährungsberaterisch begleitet werden 1, 7.
Diätstrategien im Vergleich: Hydrolysiert, Novel Protein und Monoprotein
Für die Durchführung einer Eliminationsdiät stehen drei Hauptstrategien zur Verfügung, die sich in Funktionsprinzip, Verlässlichkeit und praktischer Anwendbarkeit unterscheiden. Hydrolysierte Diäten setzen darauf, Futterproteine enzymatisch oder thermisch auf Peptidgrößen zu spalten, die das Immunsystem nicht mehr als Allergen erkennt. Typischerweise wird eine Molekularmasse unterhalb von 10 kDa angestrebt, da kleinere Peptide weniger in der Lage sind, IgE-Brücken auf Mastzellen zu vernetzen. Kommerzielle Beispiele sind Produkte auf Basis hydrolysierter Geflügelfedern, Soja oder Huhn. Studien, die hydrolysierte Diäten im diagnostischen Einsatz untersucht haben, zeigen gute klinische Verträglichkeit bei den meisten Patienten 10. Allerdings weisen Untersuchungen darauf hin, dass hydrolysierte Diäten Proteine und Peptide in ausreichend hohen Molekulargewichten enthalten können, um T-Lymphozyten zu stimulieren — was bedeutet, dass bei einem Teil der stark sensibilisierten Hunde auch unter hydrolysierter Diät Reaktionen möglich sind 11. Dieses Risiko ist individuell unterschiedlich; eine tierärztliche Begleitung und sorgfältige klinische Verlaufsbeurteilung sind daher unerlässlich 11. Novel-Protein-Diäten (auch: Singleprotein-Diäten mit neuartigem Protein) nutzen eine Proteinquelle, mit der der Hund bislang keinen Kontakt hatte. Geeignete Kandidaten sind — abhängig von der individuellen Futterhistorie — Pferd, Känguru, Strauß, Ziege oder Insektenprotein. Entscheidend ist nicht das Protein an sich, sondern die individuelle Naivität des jeweiligen Hundes. „Lachs“ oder „Lamm“ gelten in vielen Fällen nicht mehr als novel, da beide durch jahrzehntelange breite Vermarktung in Hundefutterprodukten weit verbreitet sind 2, 7. Monoprotein-Nassnahrung oder -Trockenfutter mit vollständig offener Deklaration kann für die Eliminationsdiät eingesetzt werden, wenn die Zutatenliste eindeutig und nachprüfbar eine einzige tierische Proteinquelle und eine einzige Stärkequelle ausweist. Hier ist die Etiketten-Analyse entscheidend (s. nächster Abschnitt). Hausgemachte Eliminationsdiäten bieten die höchste Kontrolle über die tatsächlichen Zutaten, stellen jedoch ernährungsphysiologisch die größte Herausforderung dar. Ohne fachkundige Rezepturierung sind Mängel an Calcium, Phosphor, essentiellen Fettsäuren und Spurenelementen sehr wahrscheinlich, insbesondere bei mehrtägiger bis mehrwöchiger Anwendung. Die FEDIAF-Leitlinien definieren Mindestgehalte für alle essenziellen Nährstoffe für adulte Hunde und für wachsende Hunde, die bei Selbstrezepturen berücksichtigt werden müssen 1. Eine professionelle ernährungsphysiologische Begleitung ist für hausgemachte Eliminationsdiäten, die länger als wenige Wochen andauern, dringend empfohlen 1, 7.
Etiketten lesen: Was ein eliminationsdiät-taugliches Futter auszeichnet
Die Auswahl eines geeigneten kommerziellen Futters für eine Eliminationsdiät erfordert eine systematische Etiketten-Analyse. Die EU-Kennzeichnungsverordnung 767/2009 erlaubt die Verwendung von Sammelbegriffen wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ oder „Geflügel“ — solche Formulierungen disqualifizieren ein Produkt für eine Eliminationsdiät, weil die tatsächliche Proteinquelle nicht eindeutig bestimmbar ist 7. Ein eliminationsdiät-taugliches Produkt sollte folgende Merkmale aufweisen: Offene Volldeklaration: Jede einzelne Zutat ist namentlich aufgeführt, idealerweise mit prozentualer Anteilsangabe. Formulierungen wie „Pferd 68 %, Kartoffel 22 %, Mineralien“ lassen sich verlässlich bewerten; „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ dagegen nicht. Eine einzige tierische Proteinquelle: Nur wenn ausschließlich eine Fleisch- oder Fischsorte enthalten ist, kann ausgeschlossen werden, dass ein bekanntes Allergen verborgen ist. Eine einzige stärkehaltige Komponente: Kartoffel, Tapioka, Süßkartoffel oder eine einzelne Getreidesorte — mehrere parallele Stärkequellen sind unnötig komplex und erschweren spätere Provokationstests. Keine versteckten Splitt-Zutaten: Wird dieselbe Grundzutat in mehreren Formen aufgeführt (z. B. Weizen, Weizenmehl, Weizenkleie), summieren sich die Anteile; die tatsächliche Gesamtmenge kann dann höher sein als die Position in der Zutatenliste suggeriert. Keine Aromen tierischen Ursprungs ohne klare Herkunftsangabe: „Aroma“ oder „natürliche Aromen“ können Proteinanteile aus mehreren Tierarten enthalten, die allergologisch relevant sein können. Der Begriff „hypoallergen“ ist in der EU weder legal definiert noch geschützt. Er stellt eine Marketing-Bezeichnung ohne regulatorisch festgelegten Inhalt dar. Entscheidend ist allein die Zusammensetzung, nicht das Label. Transparente Volldeklaration mit prozentualer Aufschlüsselung ist der verlässlichste Indikator für Eliminationsdiät-Tauglichkeit 7.
Serum-, Speichel- und Haartests: Wissenschaftlicher Stand und Grenzen
Verschiedene kommerzielle Tests versprechen eine einfache Identifikation von Futterallergenen aus einer Blut-, Speichel- oder Haarprobe. Eine kritische Bewertung dieser Tests anhand der verfügbaren Evidenz ergibt ein eindeutiges Bild. Serum-IgE- und IgG-Tests: Mueller und Olivry (2017) analysierten die diagnostische Genauigkeit von Serumtests auf futterspezifisches IgE und IgG systematisch 3. Das Ergebnis: Tests auf futterspezifisches Serum-IgE und IgG zeigten eine niedrige Reproduzierbarkeit sowie — beim Hund — eine stark variable diagnostische Genauigkeit. Bei der Katze war die Genauigkeit futterspezifischer IgE-Tests niedrig. Lymphozyten-Proliferations-Tests waren zwar häufiger in der Literatur mit positivem Ergebnis beschrieben, ihre Genauigkeit war jedoch ebenfalls unzureichend für den klinischen Einsatz 3, 9. Eine Untersuchung, die Serum- und Speicheltests an klinisch gesunden Hunden ohne Anzeichen einer adversen Futterreaktion durchführte, stellte fest, dass diese Assays häufig positive Ergebnisse lieferten und daher für den klinischen Einsatz nicht empfohlen werden können 5. Haar- und Speicheltests: Coyner und Schick (2019) führten eine besonders aufschlussreiche Validierungsstudie durch, bei der fünf gefälschte Fellproben sowie Wasserproben gemeinsam mit echten Proben allergischer und nicht-allergischer Hunde an kommerzielle Testanbieter eingesandt wurden 6. Die Verteilung der Testergebnisse für die gefälschten Proben, Wasserproben und echten Hunde unterschied sich statistisch nicht von dem, was dem Zufall entsprechen würde. Die Schlussfolgerung der Autoren war unmissverständlich: Haar- und Speicheltest sollten nicht zur Allergiediagnostik eingesetzt werden 6. Das Merck Veterinary Manual bestätigt diese Einschätzung: Eliminationsdiäten bleiben der Referenzstandard; ELISA-basierte serologische Tests auf Anti-Futter-IgE, Intradermal-Testung mit Futtermittelextrakten und Haaranalysen liefern keine zuverlässig konsistenten und genauen Ergebnisse 7. Konsequenz für die Praxis: Ein normaler oder negativer Serumtest schließt eine CAFR nicht aus; ein positives Ergebnis bestätigt sie nicht. Weder Serum- noch Speichel- noch Haartests können die Eliminationsdiät mit Provokation als diagnostisches Instrument ersetzen. Ihre Ergebnisse sollten nicht als Grundlage für Fütterungsentscheidungen oder Therapieplanung verwendet werden 3, 6, 7.
Häufigste Allergen-Quellen beim Hund und diagnostische Eckdaten
| Parameter | Wert / Kategorie | Einheit / Bezug | Quelle |
|---|---|---|---|
| Rind als Allergen-Auslöser | 34 % | Anteil unter 297 bestätigten CAFR-Fällen beim Hund | 2 |
| Milchprodukte als Allergen-Auslöser | 17 % | Anteil unter 297 bestätigten CAFR-Fällen beim Hund | 2 |
| Huhn als Allergen-Auslöser | 15 % | Anteil unter 297 bestätigten CAFR-Fällen beim Hund | 2 |
| Weizen als Allergen-Auslöser | 13 % | Anteil unter 297 bestätigten CAFR-Fällen beim Hund | 2 |
| Soja als Allergen-Auslöser | 6 % | Anteil unter 297 bestätigten CAFR-Fällen beim Hund | 2 |
| Lamm als Allergen-Auslöser | 5 % | Anteil unter 297 bestätigten CAFR-Fällen beim Hund | 2 |
| Mais als Allergen-Auslöser | 4 % | Anteil unter 297 bestätigten CAFR-Fällen beim Hund | 2 |
| Ei als Allergen-Auslöser | 4 % | Anteil unter 297 bestätigten CAFR-Fällen beim Hund | 2 |
| Mindestdauer Eliminationsdiät (>90 % Remission) | 8 Wochen | Empfohlene Mindestdauer; klinische Praxis 8–12 Wochen | 4 |
| Diagnostischer Goldstandard CAFR | Eliminationsdiät + Provokation | Keine Alternative validiert | 3 |
| Haar-/Speicheltests: Unterschied zu Zufall | Nicht nachweisbar | Fünf Fake-Fell-Proben + Wasser nicht unterscheidbar von echten Proben | 6 |
| Serum-IgE/IgG-Tests: Reproduzierbarkeit | Niedrig | Variable diagnostische Genauigkeit beim Hund | 3 |
Wann tierärztliche Abklärung notwendig ist
Dieser Ratgeber ordnet Fütterungsstrategien ein und ersetzt keine tierärztliche Diagnostik oder Therapieplanung. Die folgenden klinischen Zeichen erfordern eine tierärztliche Vorstellung — eigenmächtige Diätumstellungen sind in diesen Situationen kein adäquater Ersatz: Akute oder anhaltende Symptome:
- Juckreiz, der über mehr als zwei Wochen anhält oder an Intensität zunimmt
- Hautläsionen, Hot Spots, Krusten, Haarausfall oder Hautverdickungen
- Rezidivierende Otitis externa (wiederkehrende Ohrenentzündungen)
- Chronische gastrointestinale Beschwerden: häufige Stuhlgänge, andauernd weicher Kot, wiederholtes Erbrechen
- Blutiger oder schleimiger Kot
- Anhaltender oder rascher Gewichtsverlust
- Verhaltensänderungen wie ausgeprägte Unruhe, exzessives Lecken oder Beißen einzelner Körperstellen Vor Beginn einer Eliminationsdiät: Eine Eliminationsdiät, die länger als vier Wochen andauert oder bei einem wachsenden, trächtigen oder erkrankten Hund durchgeführt wird, sollte grundsätzlich tierärztlich begleitet werden, um Nährstoffimbalanzen zu vermeiden 1, 7. Hausgemachte Diäten ohne professionelle Rezeptierung sind in diesen Konstellationen besonders risikoreich 1. Differentialdiagnosen: Juckreiz und Hautprobleme beim Hund haben ein breites Differentialdiagnosespektrum: Flohstichallergie (häufigste Ursache allergischer Dermatitis weltweit), Umweltatopie, Sarcoptesräude, Demodikose, bakterielle Pyodermie und weitere Erkrankungen zeigen ähnliche Symptome wie eine CAFR. Ohne diagnostische Abklärung läuft jede diätetische Intervention Gefahr, die tatsächliche Ursache zu verfehlen 7. Genereller Hinweis: Alle krankheitsbezogenen Ernährungsmaßnahmen sind individuell tierärztlich abzuklären und zu begleiten. Selbstdiagnosen anhand von Serum-, Speichel- oder Haartestergebnissen ohne tierärztliche Einbindung sind nicht empfehlenswert 3, 6.
Fazit: Strategie vor Produktwahl
Eine fundierte Entscheidung für ein Hundefutter bei Verdacht auf Futtermittelallergie beginnt nicht mit dem Griff ins Regal, sondern mit der richtigen diagnostischen Strategie. Die belastbarste verfügbare Evidenz zeigt: Rind, Milchprodukte und Huhn sind die statistisch häufigsten Allergen-Quellen beim Hund — tierische Proteine stehen damit weit vor Getreide 2. Der Goldstandard zur Diagnose ist die Eliminationsdiät über mindestens 8 Wochen mit anschließender Provokation 3, 4; alle anderen kommerziell verfügbaren Tests — Serum-IgE, Speichel, Haar — sind nach aktuellem Forschungsstand nicht für den klinischen Einsatz geeignet 3, 6. Für die Praxis bedeutet dies: Das Eliminationsprotein wird nicht nach Marketingversprechen ausgewählt, sondern nach der individuellen Futterhistorie des Hundes und der belegten Allergen-Häufigkeit. Die Etiketten-Analyse auf offene Volldeklaration, eine einzige tierische Proteinquelle und das Fehlen versteckter Allergene ist dabei wichtiger als jedes Hypoallergen-Label. Hydrolysierte Diäten sind eine klinisch gut verträgliche Option; eine Restunsicherheit bezüglich der Stimulation von T-Lymphozyten bei besonders stark sensibilisierten Tieren besteht jedoch 11. Eine über Wochen durchgeführte Eliminationsdiät — insbesondere in hausgemachter Form — birgt ernährungsphysiologische Risiken, wenn sie nicht vollständig und nährstoffgerecht zusammengestellt ist 1. Die Diagnostik und Therapieplanung bei CAFR-Verdacht gehört in tierärztliche Hände; dieser Ratgeber kann und soll das nicht ersetzen.
Quellen
- [1]FEDIAF Nutritional Guidelines (Hund & Katze)guideline
- [2]Mueller RS, Olivry T, Prelaud P (2016). Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (2): common food allergen sources in dogs and cats. BMC Veterinary Research 12:9review
- [3]Mueller RS, Olivry T (2017). Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (4): can we diagnose adverse food reactions in dogs and cats with in vivo or in vitro tests? BMC Veterinary Research 13:275review
- [4]Olivry T, Mueller RS, Prelaud P (2015). Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (1): duration of elimination diets. BMC Veterinary Research 11:225review
- [5]Lam ATH, Johnson LN, Heinze CR (2019). Assessment of the clinical accuracy of serum and saliva assays for identification of adverse food reaction in dogs without clinical signs of disease. JAVMA 255(7):812-816study
- [6]Coyner K, Schick A (2019). Hair and saliva test fails to identify allergies in dogs. Journal of Small Animal Practice 60(2):121-125study
- [7]Cutaneous Food Allergy in Animals - Merck (MSD) Veterinary Manualvet_association
- [8]Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (3): prevalence of cutaneous adverse food reactions in dogs and cats - PubMedweb_authority
- [9]Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (4): can we diagnose adverse food reactions in dogs and cats with in vivo or in vitro tests? - PubMedweb_authority
- [10]Evaluation of hydrolyzed salmon and hydrolyzed poultry feather diets in restrictive diet trials for diagnosis of food allergies in pruritic dogsweb_authority
- [11]Hydrolyzed diets may stimulate food-reactive lymphocytes in dogsweb_authority
- [12]Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (2): common food allergen sources in dogs and catsweb_authority
Hinweis
Dieser Ratgeber ist allgemeine, datenbasierte Information – keine individuelle tierärztliche Beratung. Fütterung und Behandlung bei Erkrankungen, Jungtieraufzucht oder besonderen Bedürfnissen gehören in tierärztliche Hand. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen.