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Ernährung & Futter

Was dürfen Katzen essen? Übersicht

Katzen sind obligate Karnivoren – welche Lebensmittel verträglich sind, welche nur in Maßen und was grundsätzlich gilt: ein fachlicher Überblick.

Von Frank MenzeFachjournalistRedaktionell geprüftAktualisiert 15. Juni 2026

Kurzantwort

Katzen sind obligate Karnivoren und decken ihren Nährstoffbedarf primär über tierisches Protein und Fett 2, 4. Bestimmte Gemüse- und Obstsorten sind in kleinen Mengen tolerierbar, nutritiv aber nicht notwendig. Roher Fisch ist wegen des Thiaminase-Problems problematisch, Milch aufgrund häufiger Laktoseintoleranz bei adulten Katzen ungeeignet. Dieser Artikel gibt eine kategorisierte Orientierung zu verträglichen Lebensmitteln und grenzt dabei Grenzfälle klar ab.

Katze als obligater Karnivor: biologische Grundlage

Der Begriff „obligater Karnivor“ beschreibt ein Tier, das zwingend auf tierische Nahrungsquellen angewiesen ist, um spezifische Nährstoffe zu synthetisieren oder aufzunehmen, die sein Stoffwechsel nicht aus pflanzlichen Vorstufen herstellen kann 2, 4. Bei der Hauskatze (Felis catus) betrifft das mehrere essentielle Nährstoffe:

Taurin ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die Katzen – anders als Hunde oder Menschen – nicht in ausreichenden Mengen aus den Vorläufern Methionin und Cystein synthetisieren können. Ein Taurinmangel führt zu dilatativer Kardiomyopathie und zentraler Retinaatrophie 2. Taurin kommt ausschließlich in tierischen Geweben vor.

Arachidonsäure ist eine langkettige Omega-6-Fettsäure, die Katzen nicht durch Desaturation aus Linolsäure (pflanzliche Quelle) in relevanter Menge bilden können, da die erforderliche Delta-6-Desaturase-Aktivität im Katzenmetabolismus stark eingeschränkt ist 2.

Vitamin A nehmen Katzen ausschließlich als Retinol aus tierischen Quellen auf. Die Umwandlung von pflanzlichem Beta-Carotin in Vitamin A – beim Menschen und bei Hunden möglich – ist bei Katzen metabolisch nicht funktionsfähig 2, 4.

Niacin (Vitamin B3) können Katzen nicht aus Tryptophan synthetisieren, da ein Schlüsselenzym dieser Reaktionskette bei ihnen fehlt 2. Fleisch, Fisch und Leber sind die relevanten Niacinquellen.

Diese Stoffwechselbesonderheiten erklären, warum eine rein pflanzliche Ernährung für Katzen – ohne entsprechende synthetische Supplementation – als nicht bedarfsdeckend gilt 2, 5. Der Energiemetabolismus der Katze ist außerdem primär auf Proteine und Fette ausgerichtet: Leberenzyme der Gluconeogenese sind konstitutiv aktiv und lassen sich kaum herunterregeln, selbst bei kohlenhydratarmer Ernährung 3.

Tierische Lebensmittel: Fleisch, Geflügel, Fisch und Ei

Fleisch und Geflügel bilden die ernährungsphysiologische Basis. Gegartes mageres Fleisch – Huhn, Pute, Rind, Lamm – ist gut verträglich und liefert hochverdauliches Protein, essenzielle Aminosäuren (darunter Arginin und Taurin in Muskelfleisch) sowie B-Vitamine 2. Rohes Fleisch kann in balancierten, hygienisch kontrollierten Rohfütterungskonzepten eingesetzt werden, birgt jedoch mikrobiologische Risiken (Salmonellen, Listerien, Toxoplasma gondii), die insbesondere für immungeschwächte Tiere und deren Halter relevant sind 5. Innereien wie Leber sind nährstoffdicht (hoher Gehalt an Vitamin A, Eisen, B-Vitaminen), sollten aber wegen möglicher Vitamin-A-Überdosierung nicht als alleinige oder dominierende Fleischkomponente gefüttert werden – Empfehlungen nennen häufig einen Leberanteil von maximal 5–10 % der täglichen Ration, wobei exakte Schwellenwerte aus FEDIAF und NRC für die Gesamtration zu entnehmen sind 1, 2.

Fisch ist für Katzen grundsätzlich akzeptabel, aber nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Gegarter Fisch – Lachs, Forelle, Seelachs – liefert hochwertiges Protein und Omega-3-Fettsäuren (EPA, DHA). Problematisch ist rohes Fischfleisch bestimmter Arten, da es das Enzym Thiaminase enthält, das Thiamin (Vitamin B1) abbaut 2. Ein chronischer Thiaminmangel führt bei Katzen zu neurologischen Symptomen bis hin zu Krampfanfällen. Betroffen sind vor allem Süßwasserfische (Karpfen, Hering) sowie einige Meeresfische. Garung inaktiviert Thiaminase zuverlässig. Zudem akkumulieren fettreiche Meeresfische Schwermetalle (Quecksilber, Blei), weshalb Fisch generell als gelegentliche Komponente, nicht als tägliches Hauptfutter, eingesetzt werden sollte 2.

Ei (gegart) ist eine hochwertige Proteinquelle mit günstigem Aminosäureprofil und gut verdaulich. Rohes Eiweiß enthält Avidin, ein Protein, das Biotin (Vitamin B7) bindet und dessen Resorption hemmt; chronische Verfütterung rohen Eiweißes kann daher zu Biotinmangel führen 2. Rohes Eigelb ist weniger problematisch, microbiologische Risiken (Salmonellen) bleiben aber bestehen. Gegarte Eier – sowohl Eiweiß als auch Eigelb – sind unbedenklich.

Pflanzliche Lebensmittel: Gemüse, Obst und Getreidestärke

Katzen haben keinen physiologischen Bedarf an pflanzlichen Lebensmitteln, und die meisten zeigen entsprechend geringes Interesse daran. Dennoch existieren Gemüse- und Obstsorten, die in kleinen Mengen toleriert werden und in kommerziellen Mischfuttern gelegentlich als Ballaststofflieferanten oder Feuchtigkeitsträger eingesetzt werden.

Verträgliche Gemüsesorten (in kleinen Mengen)

Karotten (gegart oder roh, fein gerieben) sind gut verträglich und unverdächtig auf Toxizität. Der Beta-Carotin-Gehalt ist für Katzen nutritiv bedeutungslos, da die Konversion fehlt 2, der Ballaststoffanteil kann jedoch die Verdauungsmotilität unterstützen. Zucchini und Gurke sind wasserreich, kalorienarm und gut verträglich. Brokkoli in kleinen Mengen wird von manchen Katzen toleriert, kann in größeren Mengen aber gastrointestinale Reizungen verursachen. Kürbis (ohne Gewürze) ist als Ballaststoffquelle bekannt und wird gelegentlich bei leichten Verdauungsproblemen eingesetzt, obwohl belastbare klinische Studien dazu begrenzt sind.

Zwiebeln, Knoblauch, Lauch und alle Allium-Gewächse sind hingegen für Katzen toxisch (hämolytische Anämie durch N-Propyl-Disulfid) und gehören zur Negativliste 2.

Obst

Kleine Mengen gekochter oder frischer Kürbis, Blaubeeren oder Melone werden gelegentlich toleriert. Trauben und Rosinen hingegen sind als nephrotoxisch eingestuft und dürfen Katzen nicht gegeben werden 2. Zitrusfrüchte enthalten ätherische Öle und Psoralen, die für Katzen gastrointestinal reizend sind und in größeren Mengen toxisch wirken können. Da Katzen süß nicht schmecken können (fehlende funktionale T1R2-Untereinheit des Süßrezeptors) 3, besteht keine natürliche Präferenz für Obst – eine regelmäßige Gabe ist ernährungsphysiologisch nicht sinnvoll.

Kohlenhydrate und Stärke

Katzen besitzen eine deutlich reduzierte Salivary- und Pankreas-Amylase-Aktivität und eine herabgesetzte hepatische Glucokinase-Aktivität im Vergleich zu Omnivoren, was die Verwertung großer Kohlenhydratmengen einschränkt 3. Frühere Studien von Morris et al. zeigten jedoch, dass adulte Katzen vorgekochte, gut verdaute Stärke aus einer Mischkost in moderaten Mengen durchaus verdauen können 3. Diese Befunde werden kontrovers diskutiert: Einerseits gelten Katzen als evolutionär nicht auf Stärke adaptiert, andererseits zeigen neuere Daten, dass kommerzielle Kohlenhydratanteile in Trockenfutter (teilweise 30–40 % der Trockenmasse) von vielen Katzen über Jahre ohne offensichtliche Verdauungsprobleme aufgenommen werden. Langzeiteffekte hoher Kohlenhydratanteile auf Insulinsensitivität und Adipositas sind in der Fachliteratur noch nicht abschließend geklärt 3, 5.

Grenzfälle: Roh versus gegart, Milch und Snacks

Rohkost (BARF und vergleichbare Konzepte)

Rohes Fleisch und rohes Geflügel sind grundsätzlich verdaubar und entsprechen der natürlichen Beutetierernährung. Aus Sicht der Lebensmittelsicherheit bestehen jedoch mikrobiologische Risiken für Tier und Mensch gleichermaßen 5. WSAVA-Ernährungsrichtlinien weisen explizit darauf hin, dass rohe tierische Proteine mit Pathogenen kontaminiert sein können und eine Aufklärung der Tierhalter über Hygienerisiken erforderlich ist 5. Besonders kritisch sind Haushalte mit Kindern, älteren Personen oder Immunsupprimierten.

Milch und Milchprodukte

Die weit verbreitete Vorstellung, Katzen seien begeisterte Milchtrinker, widerspricht der Physiologie. Adulte Katzen weisen häufig eine reduzierte Laktase-Aktivität auf und können Laktose (den Milchzucker) nur eingeschränkt verdauen 2. Folge sind osmotisch bedingte Diarrhö und gastrointestinale Beschwerden. Laktosereduzierte Spezialkatzenmilch wird von einigen Herstellern angeboten und ist in kleinen Mengen weniger problematisch, nutritiv aber entbehrlich. Hartkäse enthält kaum noch Laktose und wird von den meisten Katzen vertragen, sollte aber aufgrund des hohen Fett- und Salzgehalts nur sporadisch als Leckerli eingesetzt werden.

Knochen

Rohe Knochen (z. B. Geflügelkarkassen) können von Katzen gekaut werden und liefern Kalzium sowie Phosphor. Gekochte Knochen hingegen werden brüchig und splittern; Knochensplitter können zu Verletzungen der Speiseröhre, des Magens oder des Darms führen und sind grundsätzlich zu vermeiden 2.

Snacks und Tischfutter

Gelegentliche kleine Mengen geeigneter Lebensmittel als Belohnung sind tolerierbar, sofern der Gesamtanteil der Extras nicht mehr als etwa 10 % der täglichen Energiezufuhr überschreitet – eine Faustregel, die in der Tierernährung häufig genannt wird, um die Ausgewogenheit der Basisration nicht zu gefährden. Gewürzte, gesalzene oder gebratene Speisen aus der Humanernährung sind ungeeignet.

Abgrenzung zur Giftliste: was Katzen auf keinen Fall fressen dürfen

Dieser Artikel konzentriert sich auf verträgliche Lebensmittel. Eine detaillierte Negativliste wird in einem separaten Artikel zur Giftstoffe-Übersicht behandelt. Zur Orientierung: Absolut kontraindiziert sind unter anderem Zwiebeln und Knoblauch (alle Allium-Arten, hämolytisch) 2, Trauben und Rosinen (nephrotoxisch) 2, Schokolade und Kakao (Theobromin-Toxizität), Alkohol jeder Art, Koffein (Methylxanthine), Avocado (Persin, insbesondere Blätter und Kern) sowie Xylitol, das in zuckerfreien Lebensmitteln und Kaugummis vorkommt. Auch rohe Kartoffeln und grüne Tomaten enthalten Solanin, das gastrointestinale und neurologische Symptome verursachen kann 2.

Da die individuelle Empfindlichkeit variieren kann und Dosis-Wirkungsbeziehungen bei Kleintieren nicht immer linear verlaufen, gilt bei Unsicherheit: tierärztliche Rücksprache vor der Fütterung unbekannter Lebensmittel.

Fazit

Die Ernährung der Katze orientiert sich an ihrer biologischen Rolle als obligater Karnivor: Tierisches Protein und Fett stehen im Zentrum, pflanzliche Lebensmittel sind nutritiv entbehrlich, aber in kleinen Mengen häufig tolerierbar 2, 4. Die Positivliste – mageres Fleisch, gegarter Fisch (gelegentlich), gegarte Eier, ausgewählte Gemüsesorten in Maßen – dient als Orientierung, nicht als Freibrief zur regelmäßigen Extrafütterung. Roher Fisch birgt das Thiaminase-Risiko 2, Milch ist bei adulten Katzen wegen Laktoseintoleranz meist ungeeignet 2, und bestimmte humanübliche Lebensmittel sind für Katzen eindeutig toxisch 2.

Kommerzielle Komplettrationen, die FEDIAF- oder NRC-Nährstoffvorgaben erfüllen 1, 2, decken den Gesamtbedarf zuverlässig ab. Ergänzungsfütterung aus der Humanküche sollte auf ein Minimum beschränkt und bei medizinischen Fragen oder Auffälligkeiten tierärztlich abgeklärt werden 5.

Quellen

  1. [1]FEDIAF Nutritional Guidelines (Hund & Katze)guideline
  2. [2]NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Catsguideline
  3. [3]Cats and Carbohydrates: The Carnivore Fantasy? - PMC - NIHweb_authority
  4. [4]Cats Are Carnivores: How To Meet Your Cat's Dietary Needsweb_authority
  5. [5]Nutrition Guidelines - WSAVAweb_authority

Hinweis

Dieser Ratgeber ist allgemeine, datenbasierte Information – keine individuelle tierärztliche Beratung. Fütterung und Behandlung bei Erkrankungen, Jungtieraufzucht oder besonderen Bedürfnissen gehören in tierärztliche Hand. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen.

Häufige Fragen

Was Tierhalter oft fragen