futter.de
Symbolische Illustration: eine gesunde Wasserschildkröte ruht ruhig auf einem Stein am Wasser. Keine fachliche Aussage.
Ernährung & Futter

Wasserschildkröten richtig füttern

Wasserschildkröten sind Omnivore mit artspezifisch unterschiedlichem Pflanzenbedarf – dieser Ratgeber erklärt Fütterungsrhythmus, Futtergruppen und…

Von Frank MenzeFachjournalistRedaktionell geprüftAktualisiert 15. Juni 2026

Auf einen Blick

Wasserschildkröten ernähren sich in der Regel omnivor, wobei das Verhältnis von tierischer zu pflanzlicher Kost stark von Art und Alter abhängt 5, 9. Jungtiere benötigen anteilig mehr Protein für das Wachstum, während adulte Tiere – insbesondere Vertreter der Gattung Trachemys – zunehmend pflanzliche Nahrung aufnehmen 5. Die Fütterung erfolgt idealerweise im Wasser, 2–5 Mal pro Woche in einer Menge, die die Schildkröte in etwa 15–20 Minuten verzehrt, ergänzt durch Kalzium- und Vitamin-D3-Supplementierung 4, 6. Typische Fehler wie Monokost, fehlendes Kalzium oder Überfütterung lassen sich durch konsequente Futterrotation und artgerechte Haltungsbedingungen vermeiden.

Ernährungstyp und Artenunterschiede

Nicht alle Wasserschildkröten fressen gleich. Die Einordnung als 'Wasserschildkröte' umfasst taxonomisch eine sehr heterogene Gruppe, zu der neben Süßwasserarten auch Meeresschildkröten gehören 3. Für die Terrarienhaltung sind vor allem Vertreter der Familie Emydidae, darunter Schmuckschildkröten (Gattung Trachemys scripta), sowie Weichschildkröten und Moschusschildkröten relevant.

Schmuckschildkröten (Trachemys scripta): Diese weit verbreitete Terrarienart ist omnivor. Jungtiere fressen überwiegend tierische Kost (Insekten, Würmer, kleines Wassergetier), wohingegen der Pflanzenanteil mit dem Alter deutlich zunimmt – bei adulten Tieren kann er 50 % oder mehr der Gesamtnahrung ausmachen 5.

Moschusschildkröten (Sternotherus spp.): Diese kleinen Arten sind stärker karnivor ausgerichtet und nehmen Pflanzen nur in geringem Umfang auf 9.

Weichschildkröten (Trionychidae): Sie gelten als vorwiegend karnivor und benötigen entsprechend einen hohen Proteinanteil aus tierischen Quellen 9.

Meeresschildkröten: Je nach Art unterschiedlich – Lederschildkröten (Dermochelys coriacea) fressen fast ausschließlich Quallen, Suppenschildkröten (Chelonia mydas) sind als Adulttiere herbivore Weidegänger, während Karettschildkröten (Eretmochelys imbricata) sich auf Schwämme spezialisiert haben 9. Für die Heimhaltung spielen Meeresschildkröten in Deutschland keine Rolle, da ihre Haltung rechtlich streng reguliert ist.

Die Kenntnis des artspezifischen Ernährungstyps ist die Grundvoraussetzung für eine bedarfsgerechte Fütterung. Eine pauschale 'Universaldiät' für alle Wasserschildkröten ist fachlich nicht haltbar 8.

Die wichtigsten Futtergruppen im Überblick

Eine ausgewogene Ernährung für omnivore Wasserschildkröten setzt sich aus mehreren Futtergruppen zusammen, die regelmäßig rotiert werden sollten.

1. Tierische Proteinquellen Geeignete tierische Futtertiere umfassen Regenwürmer, Mehlwürmer (nur gelegentlich wegen des hohen Fettgehalts), Grillen, Gammarus (Bachflohkrebse), kleine Fische (Guppys, Stinte, Sardinen – ungekocht und ungepökelt), Heuschrecken sowie Krill 4, 7. Lebende Futtertiere bieten den Vorteil einer natürlichen Beschäftigung und Jagdstimulation. Rohe Meeresfrüchte wie Muscheln oder Tintenfisch können gelegentlich gegeben werden, sollten aber nicht die Basis bilden.

2. Pflanzliche Kost Für den pflanzlichen Anteil eignen sich Wasserpflanzen besonders gut, da sie artnatürlich sind und die Tiere sie direkt im Becken fressen können: Wasserlinsen (Lemna spp.), Wassersalat (Pistia stratiotes), Seerosen, Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae) und Teichlebermoos 6. An Landpflanzen sind Löwenzahnblätter und -blüten, Endivie, Radicchio, Feldsalat sowie Brunnenkresse geeignet 6, 8. Stark wasserhaltiger Salat wie Eisbergsalat hat einen geringen Nährwert und sollte nur als gelegentliche Ergänzung dienen.

3. Fertigfutter (Pellets) Kommerzielle Wasserschildkröten-Pellets sind als Ergänzung geeignet, sollten aber nicht die alleinige Nahrungsquelle sein 7. Hochwertige Pellets enthalten in der Regel ein ausgewogenes Kalzium-Phosphor-Verhältnis. Getrocknete Bachflohkrebse (Gammarus) aus dem Handel sind beliebt, aber oft sehr phosphorreich und einseitig – daher nur als Beilage empfehlenswert 7.

4. Kalzium und Vitamine Kalzium ist essenziell für Knochenwachstum und den Aufbau des Panzers. Geeignete Kalziumquellen sind blankes Sepiaschulp (Sepia), Kalziumpulver ohne Phosphorzusatz sowie kalziumreiches Gemüse. Vitamin D3 ist für die Kalziumverstoffwechselung unerlässlich; im Terrarium wird es durch UVB-Beleuchtung (UVB-Lampe mit ausreichend Bestrahlungsstärke) gebildet oder muss supplementiert werden 6. Ohne ausreichend UVB-Licht droht metabolische Knochenerkrankung (MBD).

Fütterungsrhythmus und Mengen nach Altersgruppe

Wasserschildkröten sind wechselwarm (poikilotherm) und ihr Energiebedarf hängt direkt von der Umgebungstemperatur ab 1, 2. Im Gegensatz zu Säugetieren haben sie keinen konstanten Grundumsatz. Daher ist die Wasssertemperatur im Becken (optimal 24–28 °C für die meisten Emydidae) ein entscheidender Faktor für die Futterverwertung.

Jungtiere (< 1 Jahr bzw. Panzerlänge unter ca. 6–8 cm): Täglich oder an 6 von 7 Tagen füttern. Die Tagesration entspricht ungefähr dem Volumen des Kopfes der Schildkröte ohne Hals – ein in der Praxis bewährter Richtwert 4. Der Proteinanteil sollte bei etwa 60–70 % der Gesamtration liegen, da die Tiere stark im Wachstum sind 5.

Halbwüchsige Tiere (1–3 Jahre, Panzerlänge ca. 8–15 cm): Fütterung an 4–5 Tagen pro Woche. Die Proteinmenge wird reduziert; der Pflanzenanteil steigt schrittweise auf etwa 40–50 % 5. Das Volumen der Fütterung entspricht weiterhin orientierend dem Kopfvolumen des Tieres.

Adulte Tiere (> 3–4 Jahre bzw. Panzerlänge über ca. 15 cm): Fütterung an 3–4 Tagen pro Woche genügt. Adulte Schmuckschildkröten können 50 % oder mehr Pflanzenanteil vertragen und benötigen dies für eine gesunde Verdauung 5, 8. Sehr häufige Fütterung mit hohem Proteinanteil begünstigt bei adulten Tieren Übergewicht und mögliche Nierenbelastung.

Fütterungsort: Die Fütterung sollte im Wasser erfolgen, da Wasserschildkröten keinen Speichel produzieren und Nahrung nur unter Wasser schlucken können 4. Zur Schonung der Wasserqualität empfiehlt sich die Fütterung in einem separaten Behälter (Fütterungsbecken), sodass Futterreste die Filteranlage im Hauptbecken nicht belasten. Der Aufenthalt im Fütterungsbecken sollte etwa 15–20 Minuten betragen; danach werden die Tiere zurückgesetzt und Reste entfernt.

Supplementierung: Kalzium, Vitamin D3 und Multivitamine

Die Supplementierung ist ein häufig unterschätzter Teil der Schildkrötenpflege. In der Natur decken Schildkröten ihren Mineralstoffbedarf über eine vielfältige Nahrung und natürliche Sonneneinstrahlung. Unter Haltungsbedingungen ist beides oft nicht vollständig gegeben.

Kalzium: Kalziumpulver (Calciumcarbonat, ohne Phosphor und ohne Vitamin-D3-Zusatz wenn UVB-Lampe vorhanden) kann direkt ins Wasser gegeben oder über Lebendfutter verabreicht werden. Sepiaschulp kann dauerhaft im Becken verbleiben; viele Schildkröten nehmen es selbstständig auf. Als grobe Orientierung gilt: Jungtiere benötigen häufigere Kalziumsupplementierung (mehrmals pro Woche) als Adulttiere 4.

Vitamin D3: Ohne ausreichend UVB-Licht kann Vitamin D3 nicht endogen synthetisiert werden. UVB-Lampen für Reptilien mit einem UVI-Wert im Bereich von 1,0–3,0 (Ferguson-Zone 2–3, abhängig von der Art) sind für die meisten Süßwasserschildkröten der Heimhaltung empfehlenswert. Wird keine oder eine unzureichende UVB-Quelle eingesetzt, ist Vitamin D3 als Supplement unerlässlich 6.

Multivitamine: Ein ausgewogenes Multivitaminpräparat für Reptilien kann 1–2 Mal pro Monat eingesetzt werden. Hypervitaminosen (besonders Vitamin A) sind bei übermäßiger Gabe möglich und äußern sich in Hautveränderungen und Lethargiesymptomen. Bei Unsicherheit zur Dosierung sollte tierärztlicher Rat eingeholt werden.

Typische Fütterungsfehler und wie man sie vermeidet

Selbst in erfahrenen Haltungen treten wiederkehrende Ernährungsfehler auf. Die folgende Übersicht fasst die häufigsten Probleme und deren Ursachen zusammen.

1. Monokost aus Fertigfutter oder Gammarus Ausschließliches oder überwiegendes Füttern mit getrockneten Bachflohkrebsen (Gammarus) führt zu Mangelernährung, da diese zwar proteinreich, aber im Kalzium-Phosphor-Verhältnis ungünstig sind und wichtige Vitamine fehlen 7. Fertigfutter-Pellets allein sind ebenfalls nicht ausreichend, wenn sie von minderer Qualität sind.

2. Fehlender Pflanzenanteil bei adulten Omnivoren Adulte Schmuckschildkröten, die dauerhaft überwiegend tierische Kost erhalten, neigen zu Leberproblemen und Übergewicht 5. Mit zunehmendem Alter ist ein steigender Pflanzenanteil artgerecht und gesundheitsförderlich.

3. Kein UVB-Licht und keine Kalziumsupplementierung Fehlt UVB-Bestrahlung, kann Vitamin D3 nicht synthetisiert werden, was in Folge zu Kalziummangel und metabolischer Knochenerkrankung (MBD) führt 6. MBD äußert sich in weichem oder deformiertem Panzer, Kraftlosigkeit und Wachstumsstörungen. Dieser Fehler ist einer der häufigsten Todesursachen bei Jungtieren in der Heimhaltung.

4. Überfütterung Zu häufige oder zu große Mahlzeiten – besonders mit proteinreichem Futter – begünstigen das sogenannte 'Pyramidenwachstum' des Panzers (Hyperwachstum einzelner Panzerschuppen) und metabolische Erkrankungen 4. Der Richtwert 'Kopfvolumen pro Mahlzeit' hilft, die Portionsgröße realistisch einzuschätzen.

5. Schlechte Wasserqualität durch Fütterung im Hauptbecken Futterreste, insbesondere Fleisch und Fisch, zersetzen sich schnell und belasten den Ammoniak- und Nitritwert im Wasser erheblich. Regelmäßiges Abfischen von Resten oder die Nutzung eines Fütterungsbehälters reduziert dieses Problem deutlich 4.

6. Ungeeignete Nahrungsmittel Folgende Lebensmittel sind für Wasserschildkröten ungeeignet oder potenziell schädlich: Rohes Hühnerfleisch (Salmonellengefahr), verarbeitete Lebensmittel (Aufschnitt, Käse, Brot), Spinat (hoher Oxalatgehalt, hemmt Kalziumresorption), Avocado sowie Nahrung mit Gewürzen oder Konservierungsstoffen 4, 8.

Übersichtstabelle: Futtergruppen, Eignung und Häufigkeit

Futtermittel Futtergruppe Eignung Häufigkeit
Regenwürmer Tierisches Protein Sehr gut Mehrmals pro Woche
Grillen / Heuschrecken Tierisches Protein Gut 1–3× pro Woche
Kleine Fische (Guppys, Stinte) Tierisches Protein Gut 1–2× pro Woche
Gammarus (getrocknet) Tierisches Protein Ergänzung Selten, nicht als Hauptfutter
Mehlwürmer Tierisches Protein (fettreich) Nur gelegentlich Max. 1× pro Woche
Wasserlinsen / Froschbiss Pflanzlich Sehr gut Täglich im Becken anbieten
Löwenzahnblätter / Endivie Pflanzlich Sehr gut Mehrmals pro Woche
Eisbergsalat Pflanzlich Gering nährwertig Selten, nur als Ergänzung
Qualitätspellets (Reptil) Fertigfutter Gut als Ergänzung 2–3× pro Woche
Sepiaschulp Mineralstoff Sehr gut Dauerhaft im Becken
Kalziumpulver Supplement Notwendig 2–3× pro Woche (Jungtiere)

Fazit

Die Ernährung von Wasserschildkröten ist kein starres Schema, sondern ein dynamisches Konzept, das sich mit Alter, Art und Haltungsbedingungen der Tiere verändert. Entscheidend sind drei Grundprinzipien: artspezifische Futterauswahl, altersentsprechende Dosierung sowie konsequente Mineral- und Vitaminversorgung, unterstützt durch ausreichend UVB-Licht 4, 5, 6. Wer diese Grundlagen einhält und auf Futtervielfalt statt Monokost setzt, schafft die Basis für gesunde, langlebige Tiere 8, 9. Bei Anzeichen von Mangelerscheinungen – weicher Panzer, Appetitverlust, Lethargie oder Wachstumsstörungen – ist tierärztliche Beratung durch eine auf Reptilien spezialisierte Praxis unerlässlich.

Quellen

  1. [1]Management and Husbandry of Reptiles - MSD Veterinary Manualweb_authority
  2. [2]Management and Husbandry of Reptiles - Merck Veterinary Manualweb_authority
  3. [3]Schildkröten – Wikipediaweb
  4. [4]Artgerechte Ernährung & Fütterung von Wasserschildkrötenweb
  5. [5]Ernährung von Wasserschildkröten| chrysemys.comweb
  6. [6]Wasserschildkröten halten | So lebt das Tier artgerecht | AniCura Deutschlandweb
  7. [7]Ernährung einer Wasserschildkröte - Was essen Schildkrötenweb
  8. [8]Ernährung von Wasserschildkröten: Infos & Tipps | FRESSNAPFweb
  9. [9]Ernährung von Wasserschildkröten | zooplusweb

Hinweis

Dieser Ratgeber ist allgemeine, datenbasierte Information – keine individuelle tierärztliche Beratung. Fütterung und Behandlung bei Erkrankungen, Jungtieraufzucht oder besonderen Bedürfnissen gehören in tierärztliche Hand. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen.

Häufige Fragen

Was Tierhalter oft fragen