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Symbolische Illustration: eine gesunde Landschildkröte ruht ruhig in sanftem Tageslicht. Keine fachliche Aussage.
Haltung & Pflege

Schildkröte im Garten halten & überwintern: Außenhaltung richtig machen

Freigehegebau, Bepflanzung, Ernährung und Winterstarre für Landschildkröten im Garten – ein fachlicher Ratgeber mit konkreten Maßen und Empfehlungen.

Von Frank MenzeFachjournalistRedaktionell geprüftAktualisiert 16. Juni 2026

Kurzantwort

Landschildkröten wie die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) oder die Maurische Landschildkröte (Testudo graeca) sind in einem strukturierten Freilandgehege artgerecht zu halten, das Sonnen- und Schattenplätze, grabsichere Umzäunung und geeignete Bepflanzung vereint 3. Die Anlage muss ausbruch- und einbruchsicher gestaltet sein; Zäune sind mindestens 40–50 cm hoch und 20–30 cm tief in den Boden einzulassen 1. Die Winterstarre findet je nach Art und Individuum zwischen Oktober und März statt und erfordert eine kontrollierte Umgebung mit Temperaturen von 2–8 °C 4. Eine tierärztliche Untersuchung vor der Überwinterung ist unerlässlich.

Warum Außenhaltung die artgerechteste Haltungsform ist

Landschildkröten sind tagaktive Reptilien mit einem hohen Bedarf an natürlichem UV-Licht, wechselnden Temperaturen und einem vielfältigen Nahrungsangebot 3. Die Außenhaltung im Garten erfüllt diese Anforderungen weit besser als jede Innenhaltung, da natürliches Sonnenlicht die für den Calciumstoffwechsel und die Vitamin-D3-Synthese notwendige UV-B-Strahlung liefert, die künstliche Lampen nur begrenzt replizieren können 4.

Im Freigehege können Schildkröten ein naturnahes Thermoregulationsverhalten zeigen: Sie wechseln eigenständig zwischen Sonnenplätzen mit Bodentemperaturen von 40–50 °C und schattigen Rückzugsorten, regulieren so ihre Körpertemperatur und aktivieren den Stoffwechsel 3. Auch das Wühlen im Substrat, das Fressen von wachsenden Pflanzen und das Erkunden eines größeren Territoriums fördern physisches und psychisches Wohlbefinden 4.

Für Wasser- und Sumpfschildkröten gilt Ähnliches: Ein Gartenteich mit flachen Uferzonen, Sonnenfelsen und angrenzendem Landbereich entspricht dem natürlichen Lebensraum weit mehr als ein reines Aquarium 2. Der vorliegende Ratgeber konzentriert sich jedoch schwerpunktmäßig auf europäische Landschildkröten, da diese in Deutschland am häufigsten privat gehalten werden.

Planung und Bau des Freigeheges

Mindestgröße und Struktur

Die Gehegegröße richtet sich nach Artgröße und Tieranzahl. Als grobe Orientierung gilt für ein einzelnes adultes Tier einer kleinbleibenden Art (Testudo hermanni boettgeri, Panzerlänge ca. 12–18 cm): mindestens 6–8 m² Grundfläche; für jedes weitere Tier sind etwa 3–4 m² zusätzlich einzuplanen 2. Größere Gehege sind in jedem Fall vorzuziehen, da mehr Fläche eine reichhaltigere Strukturierung erlaubt 3. Das Gehege sollte mindestens einen vollständig besonnten Bereich, einen Halbschattenbereich und einen dauerhaft schattigen Rückzugsbereich enthalten 2, 3.

Umzäunung

Die Umzäunung muss drei Kriterien gleichzeitig erfüllen: ausreichende Höhe, Grabschutz und keine Kletterstruktur 1. Empfohlene Mindesthöhe: 40–50 cm über dem Boden. Der Zaun wird zudem 20–30 cm tief in den Boden eingegraben oder mit einer horizontalen Grabsperre aus Maschendraht oder Steinplatten versehen, um Ausbrüche durch Untergraben zu verhindern 1. Geeignete Materialien sind engmaschiger Metallgittermaschendraht (Maschenweite ≤ 1,5 cm × 1,5 cm, damit keine Zehen eingeklemmt werden), massive Holzbohlen oder Natursteinmauern. Sichtdichte Materialien haben den Vorteil, dass die Tiere nicht permanent gegen die Begrenzung laufen 3.

Nach oben offene Gehege bieten keinen Schutz vor Prädatoren wie Krähen, Elstern, Ratten oder freilaufenden Hunden und Katzen. Ein stabiles Dachgitter aus verzinktem Metall ist daher empfehlenswert, besonders für juveniles Tier und bei bekannten Prädatoren im Umfeld 3.

Bodensubstrat

Das Substrat sollte grabfähig, wasserdurchlässig und annähernd nährstoffarm sein, um natürliches Wühl- und Ruheverhalten zu ermöglichen. Bewährt hat sich eine Mischung aus sandigem Lehm, grobkörnigem Sand (Körnung 2–4 mm) und etwas Gartenerde im Verhältnis etwa 1:1:1 3. Reiner Gartenkompost ist zu vermeiden, da er zu feucht und nährstoffreich ist. Eine Schichtdicke von mindestens 30–40 cm ermöglicht das Eingraben zur Thermoregulation und zur Eiablage.

Bepflanzung, Strukturelemente und Ernährung

Bepflanzung

Eine dichte, artenreiche Bepflanzung dient gleichzeitig als Nahrungsquelle, Schattenspender und Versteckmöglichkeit 3. Geeignete Pflanzen für das Landschildkrötengehege sind unter anderem:

  • Wildkräuter: Löwenzahn (Taraxacum officinale), Wegwarte (Cichorium intybus), Spitzwegerich (Plantago lanceolata), Gänsedistel (Sonchus spp.) und Taubnessel (Lamium spp.) 3
  • Gräser: Verschiedene Wildgrasarten als Deckung und Nahrung
  • Kräuter: Thymian (Thymus vulgaris), Oregano (Origanum vulgare) und Salbei (Salvia officinalis) in Maßen
  • Strauchige Strukturpflanzen: niedrige Rosen oder Lavendel als Schattenspender

Zu vermeiden sind alle stark oxalathaltigen Pflanzen (z. B. Sauerampfer, Rhabarber), Nachtschattengewächse sowie Avocado und weitere für Reptilien bekannt toxische Pflanzen 3. Stark eiweißhaltige Futtermittel tierischen Ursprungs, Obst in großen Mengen und handelsüblicher Kopfsalat entsprechen nicht der natürlichen Ernährung und können zu Organschäden führen 3.

Strukturelemente

Flache Steinplatten oder Schieferplatten dienen als Sonnen- und Wärmespeicher und sollten so positioniert werden, dass sie am Morgen direkte Sonneneinstrahlung erhalten 3. Holzstücke, Rindenmulchanhäufungen und Steinhügel bieten Versteckmöglichkeiten. Ein flaches Wasserbecken (Tiefe max. 2–3 cm, damit keine Ertrinkungsgefahr besteht) ermöglicht das Trinken und Baden 5.

Ein Schutzhaus – aus Holz oder Stein, nach Süden ausgerichtet, wärmedämmend – bietet Rückzugsmöglichkeit bei kühlen Nächten und Übergangswitterung. Im Schutzhaus sollte die Temperatur auch bei Außentemperaturen um 10 °C noch mindestens 15 °C betragen, wenn nötig durch eine schwache Heizmatte unterstützt 5.

Jahresverlauf der Außenhaltung im Überblick

Monat Durchschnittstemperatur (Mitteleuropa) Haltungsphase Maßnahmen
März–April 5–15 °C Aufwachphase nach Winterstarre Kontrolle nach Winterstarre, schrittweise Erwärmung, erste Fütterung nach spontaner Aktivität
Mai–Juni 15–22 °C Aktive Saison Volles Freigehege, regelmäßige Fütterung mit Wildkräutern, Trinkwasser täglich frisch
Juli–August 20–28 °C Hochsaison Schattenangebot sicherstellen, Wasserversorgung intensivieren, Paarungsbeobachtung, ggf. Eiablagebereich vorbereiten
September 12–18 °C Vorbereitung Winterstarre Futterreduktion, tierärztliche Kontrolluntersuchung, Gewichtskontrolle, kein Zufüttern ab ca. Mitte September
Oktober 5–12 °C Einleitung Winterstarre Eingraben lassen oder kontrolliertes Einwintern im Kühlschrank/Keller
November–Februar -5–5 °C Winterstarre Temperaturkontrolle 2–8 °C, monatliche Gewichtskontrolle, Belüftung sicherstellen
März (Folge) 5–10 °C Aufwachphase Langsame Erwärmung, erste Aktivitäten abwarten, Badegang anbieten

Winterstarre: Vorbereitung, Durchführung und Risiken

Biologische Grundlage

Die Winterstarre (Hibernation) ist für europäische Landschildkröten eine physiologische Notwendigkeit: Herzrate, Stoffwechsel und Atemfrequenz fallen auf ein Minimum, die Tiere überleben durch gespeicherte Fettreserven und anaeroben Stoffwechsel 4. Wird die Winterstarre ausgelassen oder unter ungeeigneten Bedingungen durchgeführt, sind Folgeerkrankungen wahrscheinlich 4.

Vorbereitung im Herbst

Gewichtscheck: Vor der Einwinterung ist das Körpergewicht zu prüfen. Als grobe Orientierung dient der Jackson-Ratio, der Panzerlänge (in cm) und Körpergewicht (in g) in Beziehung setzt. Tiere mit zu geringem Gewicht sollten nicht eingewintert werden, sondern tierärztliche Abklärung erhalten 4.

Gesundheitskontrolle: Eine tierärztliche Untersuchung kurz vor der Einwinterung ist zu empfehlen, um Parasitenbefall, Atemwegsinfektionen oder andere Erkrankungen auszuschließen, die während der Winterstarre lebensbedrohlich werden können 4.

Darmentleerung: In den letzten 2–3 Wochen vor dem Einwintern sollte die Fütterung eingestellt werden. Mehrfache warme Bäder (25–30 °C, Dauer je 20–30 Minuten) regen die Darmentleerung an, damit Futterreste nicht im Darm vergären 4.

Methoden der Überwinterung

Natürliches Eingraben im Freigehege: In klimatisch geeigneten Regionen (milde Winter, kein dauerhafter Bodenfrost tiefer als die Eingrabetiefe) können die Tiere sich selbst eingraben – sofern das Substrat mindestens 40 cm tief und frostgeschützt ist 4. Nachteil: Die Bodentemperatur ist schwer kontrollierbar; bei strengem Frost können Tiere erfrieren.

Kühlschranküberwinterung: Die kontrollierte Methode im Kühlschrank oder einem kühlen Keller (2–8 °C, Luftfeuchtigkeit 60–80 %) gilt als sicherer, da Temperaturschwankungen minimiert werden 4. Tiere werden in eine belüftete Box mit feuchtem (nicht nassen) Torf-Sand-Gemisch gebettet. Die Temperatur ist täglich zu kontrollieren; ein Thermologger erleichtert die Überwachung. Werte unter 1 °C sind lebensgefährlich, Werte über 10 °C regen den Stoffwechsel an ohne ausreichende Fettreserven 4.

Dauer: Je nach Art und individuellem Tier dauert die Winterstarre typischerweise 8–20 Wochen 4. Testudo hermanni in Mitteleuropa erwacht meist zwischen Februar und April, abhängig von den Temperaturen.

Aufwachphase

Nach dem Erwachen sind Tiere vorsichtig auf Raumtemperatur zu bringen und innerhalb der ersten 24–48 Stunden zu einem lauwarmen Bad (25–28 °C, ca. 20 Minuten) anzubieten, um Rehydrierung einzuleiten 4. Gefüttert wird erst, wenn das Tier selbstständig und aktiv Nahrung sucht. Plötzliche Wärmegaben oder erzwungenes Füttern sind zu vermeiden.

Rechtliche Anforderungen und Artenschutz

Europäische Landschildkröten der Gattung Testudo sind durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) sowie die EU-Artenschutzverordnung (EG Nr. 338/97) streng geschützt. In Deutschland dürfen diese Tiere nur mit lückenloser Nachzuchtdokumentation und gültigem CITES-Begleitdokument (Anhang A) erworben und gehalten werden. Die Haltung muss gemäß § 7 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) bei der zuständigen Behörde (je nach Bundesland: Landrats- oder Veterinäramt) angezeigt oder genehmigt werden; die genauen Pflichten variieren je Bundesland.

Nachzuchttiere müssen mit einer individuellen Markierung (Microchip oder Halterzeichen) versehen sein, um Verwechslung mit Wildfängen auszuschließen. Wer Schildkröten ohne entsprechende Nachweise hält oder verkauft, riskiert Bußgelder und Beschlagnahmung der Tiere. Im Zweifel ist vor dem Kauf oder der Weitergabe eine Beratung durch das zuständige Veterinäramt einzuholen 5.

Fazit

Die Außenhaltung im strukturierten Freigehege ist für europäische Landschildkröten die artgerechteste Haltungsform und ermöglicht natürliches Thermoregulations-, Fress- und Sozialverhalten 3, 4. Entscheidend sind ausbruchssichere Umzäunung (Höhe ≥ 40–50 cm, Eingrabeschutz 20–30 cm) 1, vielfältige Gehegestruktur mit Sonnen- und Schattenplätzen 2, 3 sowie eine artgerechte Ernährung auf Basis heimischer Wildkräuter 3. Die Winterstarre ist eine physiologische Notwendigkeit und muss bei Temperaturen von 2–8 °C und nach sorgfältiger Gesundheitskontrolle durchgeführt werden 4. Die Haltung unterliegt strengen artenschutzrechtlichen Auflagen; gültige Nachzucht- und CITES-Nachweise sind Voraussetzung für eine legale Haltung 5. Tierärztliche Begleitung – insbesondere vor der Einwinterung und nach dem Erwachen – bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil der verantwortungsvollen Schildkrötenhaltung.

Quellen

  1. [1]Freigehege - Landschildkroeten.deweb
  2. [2]Schildkrötenweb
  3. [3]Griechische Landschildkröten ∗ Artgerechte Haltung im Gartenweb
  4. [4]Schildkröten: Alles über ihre Haltung und die Winterstarre - SWRweb
  5. [5]Griechische Landschildkröte: Haltung im Garten | FRESSNAPFweb

Hinweis

Dieser Ratgeber ist allgemeine, datenbasierte Information – keine individuelle tierärztliche Beratung. Fütterung und Behandlung bei Erkrankungen, Jungtieraufzucht oder besonderen Bedürfnissen gehören in tierärztliche Hand. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen.

Häufige Fragen

Was Tierhalter oft fragen