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Ernährung & Futter

Katzengras: Nutzen, Arten & sichere Alternativen

Katzengras ist ein Sammelbegriff für verschiedene Getreideschösslinge, die Katzen fressen.

Von Frank MenzeFachjournalistRedaktionell geprüftAktualisiert 16. Juni 2026

Kurz & klar: Das Wichtigste zu Katzengras

Katzengras bezeichnet keine einzelne Pflanzenart, sondern einen Sammelbegriff für verschiedene Gräser – überwiegend Getreideschösslinge wie Weizen, Gerste, Hafer und Roggen –, die für Katzen unbedenklich sind 5, 3. Katzen fressen diese Gräser gelegentlich, ohne dass der genaue physiologische Nutzen wissenschaftlich abschließend geklärt ist; diskutiert werden u. a. Unterstützung der Verdauung, Erbrechen zur Entfernung von Haarballen sowie die Aufnahme von Spurenstoffen 3, 4. Katzengras ist kein Nahrungsergänzungsmittel mit belegter therapeutischer Wirkung und ersetzt keine tierärztliche Beratung bei Verdauungsproblemen oder häufigem Erbrechen.

Was ist Katzengras? Definition und botanische Einordnung

Der Begriff „Katzengras“ ist keine botanische Klassifikation, sondern eine populäre Bezeichnung für eine Gruppe von Pflanzen, die Katzen erfahrungsgemäß aufsuchen und fressen 5, 3. Botanisch handelt es sich in der Regel um Süßgräser (Poaceae) in Form von jungen Getreideschösslingen. Zu den am häufigsten verwendeten Arten zählen Weizen (Triticum aestivum), Gerste (Hordeum vulgare), Hafer (Avena sativa) und Roggen (Secale cereale) 3, 4, 5. Darüber hinaus wird gelegentlich Hirse eingesetzt 5.

Eine wichtige Abgrenzung betrifft Katzenminze (Catnip, Nepeta cataria): Diese Pflanze gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und ist mit Katzengras weder botanisch verwandt noch funktional gleichzusetzen. Katzenminze löst durch das flüchtige Terpen Nepetalacton eine euforieähnliche Verhaltensreaktion aus, die bei Katzengras nicht beobachtet wird 3, 4.

Als dauerhafter kultivierbare Alternative zu einjährigen Getreideschösslingen wird in der Praxis auch Zimmerbambus (Pogonatherum paniceum) als Katzengras angeboten 5. Dieser ist mehrjährig und bildet nach dem Abfressen wieder nach, was ihn für die Dauerhaltung praktikabel macht.

Die Getreideschösslinge werden typischerweise als junge Keimlinge in Schalen oder Töpfen kultiviert und erreichen eine Wuchshöhe von wenigen Zentimetern bis zu rund 15–20 cm, bevor sie für Katzen zugänglich gemacht oder bereits früher abgefressen werden. In dieser Wachstumsphase sind die Gräser besonders zart und weisen einen relativ hohen Wassergehalt auf.

Möglicher Nutzen: Was wissen Forschung und Praxis?

Die Frage, warum Katzen Gras fressen, ist wissenschaftlich nicht abschließend beantwortet. Mehrere Hypothesen werden diskutiert, keine davon ist durch kontrollierte Studien mit hoher Evidenz belegt.

Hypothese 1: Erbrechen und Entfernung von Haarballen Eine verbreitete Annahme ist, dass Katzen Gras fressen, um anschließend nicht verdaubare Materialien – etwa Haare, Federn oder Knochen – wieder zu erbrechen. Katzen sind obligate Fleischfresser und besitzen im Magen-Darm-Trakt keine Zellulasen, die pflanzliche Zellwände vollständig abbauen können. Das unverdaute Gras reizt nach dieser Theorie die Magenschleimhaut und löst den Würgereflex aus 3. Allerdings zeigen Beobachtungsdaten, dass nur ein Teil der Katzen nach dem Grasverzehr tatsächlich erbricht, weshalb die Reiz-Erbrech-Hypothese nicht universell zutrifft 3.

Hypothese 2: Aufnahme von Folsäure und Mikronährstoffen Junge Getreideschösslinge enthalten Folsäure sowie weitere wasserlösliche Vitamine. Manche Autoren vermuten, dass Katzen durch den Grasverzehr Spurenmengen dieser Stoffe aufnehmen 3, 4. Eine quantitativ relevante Folsäureversorgung über Gras ist bei einer mit kommerziellem Vollwertfutter ernährten Katze jedoch nicht zu erwarten, da der Bedarf bereits über das Futter gedeckt wird 1, 2.

Hypothese 3: Ballaststoffe und Darmpassage Bei Wildkatzen wird der Verzehr von Pflanzenmaterial als gelegentliches Verhalten dokumentiert. Die unverdaulichen Fasern aus Gras könnten die Darmmotilität beeinflussen und zur Passage von Haaren beitragen 3, 4. Wissenschaftlich gesicherte Dosierungsempfehlungen für Ballaststoffe aus Katzengras existieren jedoch nicht.

Hypothese 4: Instinktives oder exploratives Verhalten Einige Fachleute bewerten den Grasverzehr primär als angeborenes Erkundungsverhalten oder als Reaktion auf Umweltreize, ohne dass ein direkter physiologischer Nutzen vorliegen muss 3.

Fazit zum Forschungsstand: Der Grasverzehr bei Katzen ist ein beobachtetes, normales Verhalten. Eine therapeutische Wirkung – etwa gegen Haarballen oder Verdauungsstörungen – ist nicht durch kontrollierte klinische Studien belegt. Katzengras kann als Beschäftigung und Umweltbereicherung (Environmental Enrichment) angeboten werden, ohne gesundheitliche Risiken bei gesunden Tieren zu erzeugen 3, 4, 5.

Übersicht: Häufige Katzengras-Arten im Vergleich

Pflanzenart Botanischer Name Wuchsform Besonderheiten
Weizen-Schössling Triticum aestivum Einjährig, Schale Häufigste Handelsform; zart, schnell keimend (ca. 3–7 Tage)
Gerste-Schössling Hordeum vulgare Einjährig, Schale Etwas fester, höherer Faserstoffanteil
Hafer-Schössling Avena sativa Einjährig, Schale Weiches Blatt, von vielen Katzen bevorzugt
Roggen-Schössling Secale cereale Einjährig, Schale Etwas robuster, langsamer wachsend
Hirse Setaria spp. / Panicum spp. Einjährig Seltener, ebenfalls unbedenklich
Zimmerbambus Pogonatherum paniceum Mehrjährig, Topf Dauerhafter, bildet nach dem Abfressen nach; kein echter Bambus

Quellen: 3, 4, 5

Anbau und Pflege: Katzengras selbst ziehen

Katzengras lässt sich aus handelsüblichen Saatgutpackungen oder Anzucht-Sets einfach selbst kultivieren. Die folgende Anleitung beschreibt die Grundschritte für Getreideschösslinge.

Substrat und Gefäß: Als Substrat eignet sich handelsübliche Anzuchterde oder ungedüngte Kräutererde. Tiefe Schalen oder flache Töpfe mit Abzugsloch sind praktisch, da Getreideschösslinge kein tiefes Wurzelsystem entwickeln. Eine Schichtdicke von 4–6 cm Substrat ist ausreichend.

Aussaat: Die Samen werden gleichmäßig auf der Erdoberfläche verteilt und leicht angedrückt. Eine dünne Abdeckschicht Erde (ca. 0,5–1 cm) hält die Feuchtigkeit, ist aber nicht zwingend notwendig. Weizensamen keimen in der Regel innerhalb von 3–7 Tagen bei Raumtemperatur (18–22 °C) 4.

Bewässerung: Das Substrat sollte gleichmäßig feucht, aber nicht dauerhaft nass gehalten werden, da Staunässe Schimmelbildung fördert. Schimmel auf der Erdoberfläche oder an den Stängelbasen ist ein Zeichen für zu hohe Feuchtigkeit oder mangelnde Luftzirkulation und macht die betroffene Schale unbrauchbar 4, 6.

Licht: Ein heller Standort ohne direkte Mittagssonne fördert gleichmäßiges, kräftiges Wachstum. Bei zu wenig Licht werden die Halme etioliert (lang und dünn), was die Festigkeit reduziert.

Nutzungsdauer: Nach dem Abfressen treiben Getreideschösslinge in der Regel kaum oder nicht mehr vollständig nach. Es empfiehlt sich daher, versetzt mehrere Schalen anzuziehen (z. B. im Abstand von 1–2 Wochen), um kontinuierlich frisches Gras bereitzustellen. Zimmerbambus (Pogonatherum paniceum) bildet nach dem Abfressen neu aus und eignet sich für dauerhafte Haltung 5.

Hygiene: Abgestorbene oder von Schimmel befallene Pflanzenteile sollten sofort entfernt werden. Alte Schalen werden entsorgt und nicht wiederverwendet, ohne das Substrat vollständig zu erneuern.

Sichere Alternativen und giftige Pflanzen: Was Katzenhalter wissen müssen

Neben den klassischen Getreidegräsern gibt es weitere Pflanzen, die Katzen angeboten werden können, sowie eine Reihe von Pflanzen, die für Katzen toxisch sind und strikt gemieden werden sollten.

Sichere Alternativen zu klassischem Katzengras:

  • Zimmerbambus (Pogonatherum paniceum): Mehrjährig, robust, von Katzen gerne angenommen 5.
  • Katzenminze (Nepeta cataria): Löst bei etwa 50–70 % der Katzen (genetisch determiniert) eine Verhaltensreaktion aus; ist ungiftig, aber funktional verschieden von Katzengras 3, 4.
  • Baldrian (Valeriana officinalis): Wirkt auf manche Katzen ähnlich wie Katzenminze durch Actinidin; ebenfalls ungiftig in moderaten Mengen, aber primär als Verhaltensreiz und nicht als Futterpflanze zu betrachten 3.
  • Kräuter wie Petersilie, Basilikum oder Kresse werden von manchen Katzen angeknabbert und gelten als unbedenklich in kleinen Mengen; sie sind jedoch kein Katzengrasersatz.

Toxische Pflanzen, die Katzen nicht zugänglich sein sollten:

Mehrere häufig als Zimmerpflanzen gehaltene Gewächse sind für Katzen giftig. Zu den bekannten Risikopflanzen zählen:

  • Lilien (Lilium spp., Hemerocallis spp.): Schon geringe Mengen Pollen, Blätter oder Blüten können bei Katzen akutes Nierenversagen verursachen – medizinischer Notfall 3, 4.
  • Dieffenbachie (Dieffenbachia spp.): Enthält Calciumoxalat-Raphiden, die Schleimhautreizungen auslösen.
  • Efeu (Hedera helix): Enthält Saponine und Falcarinol mit toxischem Potenzial.
  • Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima): Milchsaft reizend für Schleimhäute.
  • Oleander (Nerium oleander): Herzglykoside, hochgiftig.
  • Zamioculcas (Zamioculcas zamiifolia): Calciumoxalate.

Diese Liste ist nicht vollständig. Bei Verdacht auf Pflanzenvergiftung ist unverzüglich eine tierärztliche Praxis oder ein Giftinformationszentrum zu kontaktieren.

Praktische Empfehlung: Damit Katzen – besonders Wohnungskatzen ohne Freigang – ihr Bedürfnis, Pflanzen zu kauen, an sicheren Pflanzen ausleben können, ist das Bereithalten von Katzengras eine einfache Maßnahme zur Umweltbereicherung 4, 5. Es lenkt Katzen potenziell von anderen, möglicherweise giftigen Haushaltspflanzen ab, obwohl dies wissenschaftlich nicht als gesicherter Effekt belegt ist.

Fazit: Katzengras als risikoarme Umweltbereicherung

Katzengras – ob aus Weizen-, Gerste-, Hafer- oder Roggenschösslingen – ist eine unbedenkliche, einfach anzubauende Pflanze, die Katzen als Beschäftigung und Umweltbereicherung angeboten werden kann 3, 4, 5. Der genaue physiologische Nutzen ist wissenschaftlich nicht abschließend belegt; diskutierte Mechanismen umfassen Unterstützung der Darmpassage, gelegentliches Erbrechen zur Entfernung von Haarballen sowie die Aufnahme von Spurenstoffen wie Folsäure 3, 4. Diese Hypothesen sind durch kontrollierte Studien nicht gesichert.

Für die Praxis bedeutet dies: Katzengras ist kein Therapeutikum und kein notwendiger Bestandteil einer vollwertigen Katzenernährung, die über kommerzielles oder selbst zubereitetes Alleinfutter mit bedarfsdeckenden Nährwerten sichergestellt wird 1, 2. Häufiges Erbrechen, anhaltende Verdauungsprobleme oder exzessiver Grasverzehr sind Symptome, die tierärztlich abgeklärt werden sollten – sie können auf zugrundeliegende Erkrankungen hinweisen. Katzengras ersetzt diese Abklärung nicht.

Quellen

  1. [1]FEDIAF Nutritional Guidelines (Hund & Katze)guideline
  2. [2]NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Catsguideline
  3. [3]Cat grass - Wikipediaweb
  4. [4]What Is Cat Grass? Learn How to Grow Cat Grass Indoors | PetMDweb
  5. [5]Katzengras – Wikipediaweb
  6. [6]Katzengras – Eigenschaften und Tipps im Überblick | OBIweb

Hinweis

Dieser Ratgeber ist allgemeine, datenbasierte Information – keine individuelle tierärztliche Beratung. Fütterung und Behandlung bei Erkrankungen, Jungtieraufzucht oder besonderen Bedürfnissen gehören in tierärztliche Hand. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen.

Häufige Fragen

Was Tierhalter oft fragen