Pferdefutter Haflinger: EMS
Pferdefutter für Haflinger mit EMS- und NSC-Management. Bedarfsgerechte Energieversorgung für Easy Keeper.
- Stockmaß
- 138–155 cm
- Gewicht
- ca. 415 kg
- Lebenserwartung
- 25–30 Jahre
- Herkunft
- Südtirol / Österreich

Haflinger Futter: Das Wichtigste im Überblick
Der Haflinger gehört zu den futtereffizientesten Pferderassen Mitteleuropas. Als ursprüngliche Gebirgsarbeitspflanze des Südtiroler Tschögglbergs hat die Rasse über Generationen gelernt, aus karger, rohfaserreicher Bergvegetation maximale Energie zu gewinnen. Unter modernen Haltungsbedingungen kehrt sich dieser Überlebensvorteil um: Reichhaltige Heuration, Weidegang auf nährstoffreichem Gras oder gar Getreidezulagen können bei Haflingern schnell zu Übergewicht, Insulindysregulation und in der Folge zu Hufrehe führen.
Kernpunkte auf einen Blick:
- Raufutter (Heu) ist die unverzichtbare Basis – mindestens 1,5 % des Körpergewichts als Trockenmasse täglich
- NSC-Gehalt (Stärke + Zucker) im Heu möglichst unter 10 % der Trockenmasse halten
- Kraftfutter nur bei tatsächlichem Mehrarbeitsbedarf und in kleinen Mengen
- Regelmäßige Körperkonditionsbeurteilung (BCS) ist Pflicht
- Weidegang bedarf aktiven Managements, besonders im Frühjahr
- Mineralfutter zur gezielten Ergänzung, da Raufutter allein Bedarfslücken lässt
- Engmaschige tierärztliche Kontrolle von Insulin- und ACTH-Werten empfohlen
Größe, Gewicht und Typ: Was die Statur über den Futterbedarf sagt
Der Haflinger wird von Zuchtverbänden als Pony- bzw. Kleinpferderasse geführt und erreicht eine Widerristhöhe von 138 bis 155 cm bei einem durchschnittlichen Körpergewicht von rund 415 kg. Trotz seiner kompakten, muskulösen Statur ist der Haflinger kein leichtes Pony im klassischen Sinne: Sein kräftiger Rumpf, das breite Fundament und die ausgeprägte Bemuskelung bedingen ein für seine Größenklasse vergleichsweise hohes Körpergewicht.
Genau dieses Verhältnis von kompakter Statur und hohem Gewicht ist ernährungsphysiologisch relevant: Der Energiebedarf pro Kilogramm Körpermasse liegt beim Haflinger niedriger als bei Warmblütern gleicher Größe. Die Rasse ist metabolisch auf Effizienz ausgerichtet – ein 415 kg schwerer Haflinger im leichten Arbeitsbetrieb benötigt in der Regel deutlich weniger Energie als ein 415 kg schweres Warmblut. Wer den Futterbedarf pauschal nach Körpergewicht berechnet, ohne den rassetypischen Grundumsatz zu berücksichtigen, überfüttert den Haflinger systematisch.
Die Körperkondition sollte regelmäßig nach dem Body-Condition-Score (BCS, Skala 1–9) beurteilt werden. Für Haflinger wird ein BCS von 4–5 als gesundheitlich optimal angesehen; Werte ab 6–7 gelten als Übergewicht mit erhöhtem EMS- und Rehe-Risiko.
Wesen und Charakter: Genügsamkeit als Wesensmerkmal
Haflinger gelten als gutmütig, nervenstark und trittsicher – Eigenschaften, die sie zu beliebten Familien-, Freizeit- und Therapiepferden machen. Ihre ausgeprägte Leistungsbereitschaft kombiniert sich mit einem eigenständigen Charakter: Haflinger prüfen Anforderungen, bevor sie ihnen folgen, was gelegentlich als Sturheit wahrgenommen wird, tatsächlich aber eine reflektierte, selbstbewusste Grundhaltung widerspiegelt.
Gegenüber Menschen zeigen Haflinger eine hohe Sozialkompetenz und bauen enge Bindungen zu Bezugspersonen auf. In stressigen Situationen – Verladung, Tierarztbesuch, unbekanntes Gelände – reagieren gut sozialisierte Exemplare mit bemerkenswerer Ruhe. Gleichzeitig ist der Haflinger von Natur aus neugierig und zeigt ein ausgeprägtes Erkundungsverhalten, das bei ausreichender Beschäftigung und Bewegung zur Ausgeglichenheit beiträgt.
Ein wichtiger Aspekt des Wesens hat direkten Bezug zur Ernährung: Die rassetypische Genügsamkeit bedeutet, dass Haflinger selten von sich aus den Futternapf „leer lassen“. Im Gegenteil: Sie nutzen jede Gelegenheit zur Futteraufnahme und neigen dazu, auch bei vollem Bauch weiterzufressen, wenn Futter verfügbar ist. Dieses Verhalten ist evolutionär verankert und lässt sich durch Haltungsmanagement steuern – nicht durch Appelle. Wer die Genügsamkeit des Haflingers schätzt, muss gleichzeitig die Konsequenz ziehen, Futtermengen aktiv zu begrenzen.
Herkunft: Vom Bergbauerndorf zur weltweiten Rasse
Der Haflinger stammt aus dem Südtiroler Dorf Hafling (heute Avelengo), gelegen auf etwa 1.200 Metern Höhe in der Nähe von Meran – damals Teil des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs, heute Norditalien. Das Gründungsjahr der Rasse wird offiziell auf 1874 datiert: In diesem Jahr wurde der Hengst 249 Folie geboren, Ergebnis der Kreuzung eines arabisch beeinflussten Hengstes (El Bedavi XXII) mit einer einheimischen Tiroler Bergstute. Alle reinblütigen Haflinger der Welt lassen sich auf diesen einen Stammhengst zurückführen.
Die gebirgige Topographie der Entstehungsregion mit karger Bergvegetation, extremen Witterungsbedingungen und körperlich fordernder Arbeit auf engen Alpenpfaden prägte die Rasse über Generationen: Trittsicherheit, Ausdauer und eine außergewöhnliche Futterausnutzung waren keine züchterischen Ziele, sondern Überlebensbedingungen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Zuchtlinien in Italien (Aveligneser) und Österreich getrennt weitergeführt; 1976 gründete sich die Welt Haflinger Vereinigung zur internationalen Koordination.
Diese Herkunft ist für die heutige Ernährung unmittelbar relevant: Der Haflinger ist nicht für energiereiches, stärkehaltiges Kraftfutter ausgelegt. Sein Verdauungssystem ist auf rohfaserreiche, nährstoffarme Bergkräuter und mageres Heu optimiert – nicht auf die energiedichten Rationen, die in der modernen Pferdehaltung üblich sind. Wer den Haflinger „aus seiner Geschichte heraus“ ernährt, liegt ernährungsphysiologisch richtig.
Pflege: Hufe, Fell und tägliche Kontrolle
Die Pflege des Haflingers ist strukturiert und konsequent, aber nicht außergewöhnlich aufwendig. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, da versäumte Pflegemaßnahmen bei dieser Rasse schnell gesundheitliche Konsequenzen haben können.
Tägliche Grundroutine
Das tägliche Auskratzen der Hufe – morgens und nach der Arbeit – ist bei Haflingern besonders wichtig, da die Rasse ein erhöhtes Hufrehe-Risiko trägt. Bei der Hufkontrolle sollte auf Wärme an der Hufwand und verstärkte Pulsation der digitalen Arterien geachtet werden, beides mögliche Frühzeichen einer Rehe. Striegeln entfernt Schweißrückstände, die bei Haflingern mit ihrem dichten Fell zu Mauke und Sommerekzem führen können.
Hufpflege und Beschlag
Regelmäßige Hufpflege durch einen erfahrenen Hufschmied (alle 6–8 Wochen) ist obligatorisch. Bei Rehepferden sollten kürzere Intervalle und enge Absprache zwischen Hufschmied und Tierarzt selbstverständlich sein.
Fell und Mähne
Die helle, charakteristische Mähne des Haflingers ist rassetypisch und sollte nicht geschnitten werden. Das dichte Fell erfordert im Sommer besondere Aufmerksamkeit bei der Wärmeableitung; PPID-erkrankte Tiere zeigen oft verzögerten Fellwechsel als erstes klinisches Zeichen.
Zahnpflege
Jährliche Zahnkontrolle durch den Tierarzt ist für die Futterverwertung essenziell – schlecht kautes Futter wird schlechter verdaut und kann Kolikrisiken erhöhen. Senioren ab 18 Jahren benötigen häufigere Kontrollen.
Gesundheit: Vier Erkrankungen mit erhöhter Häufigkeit beim Haflinger
Haflinger gelten als robuste Rasse – was aber nicht bedeutet, dass sie gegen alle Erkrankungen gleich gut geschützt sind. Vier Krankheitsbilder treten in der Haflingerpopulation nachweislich häufiger auf als im Durchschnitt der Pferdepopulation. Drei davon stehen in direktem Zusammenhang mit der Ernährung.
Equines Metabolisches Syndrom (EMS)
Die Prävalenz des EMS in der Haflingerpopulation wird auf rund 20 % geschätzt. Kernmerkmal ist eine Insulinresistenz, die zu erhöhten postprandialen Insulinspitzen führt, besonders nach Aufnahme leicht verdaulicher Kohlenhydrate (Stärke, Zucker, Fruktane). EMS begünstigt Übergewicht und erhöht das Rehe-Risiko erheblich. Die Diagnose erfolgt über Insulin- und Glukosemessung im Blut, idealerweise durch den Tierarzt im Rahmen einer jährlichen Stoffwechselkontrolle.
Hufrehe (Laminitis)
Haflinger haben ein erhöhtes Hufrehe-Risiko, das eng mit EMS und Übergewicht verknüpft ist. Ernährungsinduzierte Hufrehe entsteht häufig durch übermäßigen NSC-Konsum (zuckerreiches Gras im Frühjahr, Getreide, energiereiche Heulage) mit nachfolgender Insulindysregulation. Auch PPID im Alter erhöht die Rehe-Anfälligkeit. Weidemanagement, NSC-armes Heu und Gewichtskontrolle sind die wichtigsten Präventionsmaßnahmen.
Equine Hypophysen-Pars-intermedia-Dysfunktion (PPID, „Cushing“)
PPID tritt bevorzugt bei älteren Haflingern ab etwa 15–18 Jahren auf. Typische Zeichen sind verzögerter Fellwechsel (lockiges, langes Fell), gesteigerter Hunger und Durst, Muskelschwund trotz normaler Futteraufnahme sowie wiederkehrende Hufrehe. Die Diagnose erfolgt über ACTH-Messung (saisonale Grenzwerte beachten). Die Behandlung liegt in tierärztlicher Hand.
Okulares Plattenepithelkarzinom
Bei Haflingern mit helläugigen oder wenig pigmentierten Augenpartien besteht ein erhöhtes Risiko für ein okuläres Plattenepithelkarzinom. Regelmäßige Augenkontrollen – besonders bei UV-exponierten Haltungsbedingungen – sind empfehlenswert. Dieser Befund hat keinen direkten Ernährungsbezug, sollte aber in der Vorsorgeplanung berücksichtigt werden.
Energiebedarf und Konditionsmanagement beim Haflinger
Die Energieversorgung des Haflingers muss genauer kalibriert werden als bei den meisten anderen Pferderassen. Als ausgeprägter „Easy Keeper“ deckt der Haflinger seinen Erhaltungsbedarf mit deutlich weniger Energie als Warmblüter vergleichbarer Körpermasse. Wer den Futterbedarf pauschal nach Körpergewicht hochrechnet, überfüttert die Rasse zuverlässig.
Erhaltungsbedarf
Für einen adulten Haflinger mit ca. 415 kg Körpergewicht im leichten bis mittleren Arbeitseinsatz wird ein Energiebedarf von etwa 16 kcal umsetzbarer Energie (DE) pro Kilogramm Körpergewicht und Tag als Orientierungswert diskutiert. Bei übergewichtigen Tieren (BCS ≥ 7/9) oder diagnostiziertem EMS kann eine Energierestriktion auf diesen Wert bereits zur Gewichtsreduktion ausreichen. Im Einzelfall sollte die genaue Ration mit dem Tierarzt oder einer qualifizierten Pferdeernährungsberatung abgestimmt werden.
Arbeit und Leistung
Bei mittlerer bis schwerer Arbeit (Geländeritt, Fahrsport, Turniereinsatz) steigt der Energiebedarf. Dennoch sollte der Energiemehrbedarf vorrangig über qualitativ hochwertiges Raufutter – etwa etwas nährstoffreicheres Heu aus früherem Schnitt – gedeckt werden, bevor Kraftfutter eingesetzt wird. Kraftfutter ist beim Haflinger die Ausnahme, nicht die Regel.
Lebensphase Fohlen und Jährling
In den ersten Lebensmonaten deckt das Fohlen seinen Bedarf über die Muttermilch. Ab dem zweiten bis dritten Lebensmonat beginnt es, Heu aufzunehmen. Beim Absetzen (üblicherweise mit 5–6 Monaten) ist die Ration besonders sorgfältig zusammenzustellen: Ein ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis (1,5–2 : 1 zugunsten des Calciums) ist für Knochen- und Gelenkentwicklung essenziell. Energiereiches Kraftfutter in großen Mengen ist in dieser Phase kontraindiziert und kann Osteochondrose begünstigen.
Lebensphase Senior
Senioren ab 18–20 Jahren, insbesondere PPID-erkrankte Tiere, neigen trotz ausreichender Futteraufnahme zu Muskelschwund. Hier kann ein leicht erhöhter Rohproteingehalt (12–16 % der Trockenmasse) mit guter Aminosäureversorgung (besonders Lysin und Threonin) sinnvoll sein. Der Energiebedarf liegt je nach Körperkondition und Aktivität bei etwa 26–33 kcal DE/kg Körpergewicht und Tag. Im Einzelfall ist tierärztliche Begleitung unverzichtbar.
Raufutter, Kraftfutter und NSC-Management: Futterarten für den Haflinger
Die Futterauswahl für den Haflinger folgt einem klaren Prinzip: Raufutter zuerst, Kraftfutter nur wenn nötig, und NSC-Gehalt konsequent im Blick behalten.
Heu als unverzichtbare Basis
Heu bildet die Hauptenergie- und Rohfaserquelle des Haflingers. Als Richtwert gilt eine tägliche Heumenge von mindestens 1,5 % des Körpergewichts als Trockenmasse – bei einem 415 kg schweren Haflinger entspricht das etwa 6–8 kg Heu pro Tag, je nach Qualität und Arbeitsintensität. Bei übergewichtigen Tieren oder EMS-Diagnose empfiehlt sich Heu mit niedrigem NSC-Gehalt (unter 10 % der Trockenmasse). Ist der NSC-Gehalt des verfügbaren Heus unbekannt, kann Wässern des Heus (30–60 Minuten in kaltem Wasser) den Zuckergehalt reduzieren – jedoch gehen dabei auch wasserlösliche Mineralstoffe verloren, die dann ergänzt werden müssen.
Heu aus spätem Schnitt (höherer Rohfaseranteil, niedrigerer Energiegehalt) ist für Haflinger in der Regel besser geeignet als Frühschnitt-Heu mit hohem Energiegehalt. Eine Heuanalyse gibt verlässliche Auskunft über NSC, Energiegehalt und Mineralstoffversorgung.
Stroh als Ergänzungsraufutter
Bei der Notwendigkeit zur Energiereduktion (BCS ≥ 7) kann ein Teil der Heuration durch Weizenstroh ersetzt werden. Stroh liefert Rohfaser ohne nennenswerte Energie, verlängert die Fressdauer und beugt so auch Langeweile und Magengeschwüren vor. Der Strohanteil sollte jedoch 30–40 % der Gesamtraufuttermenge nicht überschreiten, um die Darmgesundheit nicht zu beeinträchtigen.
Weidegang und Frühjahrsmanagement
Frisches Weidegras – besonders im Frühjahr und Herbst – enthält hohe Mengen an Fruktanen und leicht verdaulichen Kohlenhydraten. Für Haflinger mit EMS oder Reheneigung ist unkontrollierter Weidegang in diesen Phasen ein erhebliches Risiko. Praktische Maßnahmen umfassen: zeitlich begrenzten Weidegang (z. B. nur früh morgens, wenn der Fruktan-Gehalt noch niedrig ist), Heidegang auf Paddock-Trails oder Grasmangel-Koppeln sowie den Einsatz von Grasnetzmasken.
Kraftfutter: Wann, welches, wie viel?
Kraftfutter (Hafer, Gerste, Müsli, Pellets) ist für den Haflinger im leichten bis mittleren Arbeitseinsatz in der Regel nicht notwendig. Bei nachgewiesenem Mehrarbeitsbedarf (intensive Turniersaison, Fahrsport) kann Kraftfutter bedarfsgerecht und in kleinen Mengen eingesetzt werden. Müsli und Pellets für Haflinger sollten NSC-arm sein (unter 10 % Stärke + Zucker in der Trockenmasse) und möglichst keine Melasse enthalten. Hafermüsli mit hohem Stärkeanteil ist für EMS-gefährdete Tiere ungeeignet.
Heulage
Heulage (angewelktes Gärfutter) hat in der Regel einen höheren Energie- und Zuckergehalt als trockenes Heu und ist für Haflinger mit Übergewicht oder EMS häufig ungeeignet. Sie kann bei Pferden mit Atemwegsproblemen (Staubempfindlichkeit) als Alternative zu bedampftem Heu sinnvoll sein, sollte aber nur in kleinen Mengen und nach Analyse eingesetzt werden.
Mineralfutter und Nahrungsergänzung beim Haflinger
Raufutter allein deckt den Mineralstoffbedarf des Haflingers in der Regel nicht vollständig – dies gilt besonders dann, wenn Heu gewässert wird (Verlust wasserlöslicher Mineralstoffe) oder wenn die Ration stark eingeschränkt ist.
Mineralfutter als Basis der Ergänzung
Ein ausgewogenes Mineralfutter (ohne Melasse, ohne Stärketräger) sollte bei Haflingern, die kein oder kaum Kraftfutter erhalten, regelmäßig eingesetzt werden. Mineralfutter gleicht Lücken in der Versorgung mit Calcium, Phosphor, Magnesium, Spurenelementen (Zink, Kupfer, Selen) und fettlöslichen Vitaminen (A, D, E) aus. Wichtig: Bei der Auswahl auf niedrigen Energiegehalt und Freiheit von Melasse achten.
Magnesium und Insulinsensitivität
Magnesium ist ein Kofaktor in der Insulinrezeptor-Signaltransduktion. Bei Haflingern mit EMS-Risiko wird eine bedarfsdeckende Magnesiumversorgung diskutiert, da Defizite die Insulinresistenz verschlechtern können. Der NRC-Erhaltungsbedarf für adulte Pferde liegt bei etwa 13–15 mg Magnesium pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Ob im Einzelfall eine zusätzliche Supplementierung sinnvoll ist, sollte mit dem Tierarzt besprochen werden.
Omega-3-Fettsäuren
Omega-3-Fettsäuren (alpha-Linolensäure aus Leinöl, EPA/DHA aus Algenöl) werden in der Pferdeernährung als antiinflammatorische Ergänzung diskutiert. Bei Haflingern mit chronischer Hufrehe-Neigung oder entzündlichem Geschehen können sie im Rahmen eines ganzheitlichen Fütterungskonzepts in Betracht gezogen werden. Konkrete Mengenangaben und die Eignung im Einzelfall sollten mit dem behandelnden Tierarzt abgestimmt werden.
Elektrolyte bei Arbeit
Bei intensiver Arbeit – insbesondere bei Sommerhitze oder mehrstündigen Geländeritten – verliert der Haflinger über Schweiß erhebliche Mengen an Natrium, Chlorid und Kalium. Ein Salzleckstein zur freien Aufnahme deckt den Grundbedarf; bei starker Schweißbildung kann eine gezielte Elektrolytergänzung sinnvoll sein. Wasser muss dabei jederzeit ad libitum verfügbar sein.
Senioren und PPID
Bei PPID-erkrankten Senioren kann ein erhöhter Proteinbedarf (12–16 % Rohprotein in der Trockenmasse) mit besonderer Beachtung essentieller Aminosäuren (Lysin, Threonin) sinnvoll sein, um dem PPID-bedingten Muskelschwund entgegenzuwirken. Die Umsetzung sollte in enger Abstimmung mit dem Tierarzt erfolgen.
Fütterungsmanagement: Heuqualität, Rhythmus und Wasserversorgung
Das beste Futter nützt wenig, wenn das Fütterungsmanagement die Bemühungen zunichtemacht. Beim Haflinger sind Fütterungsrhythmus, Heuqualität und Wasserversorgung ebenso wichtig wie die Auswahl der Futterarten.
Heuqualität aktiv prüfen
Eine Heuanalyse (NSC, Energiegehalt, Mineralstoffprofil) ist beim Haflinger keine Luxus-, sondern eine Sicherheitsmaßnahme. Heu mit unbekanntem NSC-Gehalt ist besonders bei EMS-verdächtigen oder rehe-gefährdeten Tieren ein kalkulierbares Risiko. Labors, die Heuanalysen für Pferdehalter anbieten, sind in Deutschland und Österreich verfügbar; die Kosten amortisieren sich im Vergleich zu tierärztlichen Behandlungskosten bei Hufrehe schnell.
Fütterungsrhythmus und Fresspausen
Der Haflinger ist wie alle Pferde ein Dauerfresser: Sein kleiner Magen produziert kontinuierlich Magensäure – unabhängig davon, ob Futter vorhanden ist. Fresspausen von mehr als 3–4 Stunden erhöhen das Risiko für Magengeschwüre und Koliken erheblich. Raufutter sollte möglichst ad libitum verfügbar sein; bei übergewichtigen Tieren kann die Menge über Heunetze mit engmaschigem Geflecht gestreckt werden, sodass die Fressdauer verlängert und die Aufnahmemenge kontrolliert wird.
Kraftfutter wird – wenn überhaupt eingesetzt – auf mindestens zwei Mahlzeiten täglich verteilt und niemals in Mengen über 0,5 kg Stärke pro Mahlzeit gegeben, um den Darm nicht zu überlasten.
Wasserversorgung
Frisches, sauberes Wasser muss jederzeit und in ausreichender Menge verfügbar sein. Der Wasserbedarf eines 415 kg schweren Haflingers liegt im Normalzustand bei 25–40 Litern täglich; bei Hitze oder intensiver Arbeit kann er auf 50–60 Liter steigen. Automatikbecken sollten täglich auf Funktion geprüft werden.
Anweiden im Frühjahr
Die Anweidephase im Frühjahr erfordert beim Haflinger besondere Disziplin. In den ersten zwei Wochen empfiehlt sich ein täglicher Weidegang von nicht mehr als 15–30 Minuten, der langsam gesteigert wird. Abrupter Übergang auf üppige Frühjahrsweide ist einer der häufigsten auslösenden Faktoren für ernährungsinduzierte Hufrehe bei Haflingern.
Quellen
- [1]FEDIAF Nutritional Guidelines 2025guideline
- [2]NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Catsguideline
- [3]Studie: Equines Metabolisches Syndromstudy
- [4]Studie: Okulares Plattenepithelkarzinomstudy
- [5]Studie: Hufrehe - Pferdstudy
- [6]Wikipedia: Haflingerwikipedia
- [7]Rassefütterung Haflinger | Dr. Susanne Weyrauchweb
- [8]Wie füttert Ihr Eure Haflinger? - Fütterung & Futtermittel - Das Haflinger Forum - das-haflingerforum.deweb
- [9]Haflinger richtig füttern: Natürlich, karg & getreidefreiweb
- [10]Haflinger: Ernährung von Zuchtstuten und Absetzern im Winter | Tierarzt Ernährungweb
Hinweis
Dieser Ratgeber ist allgemeine, datenbasierte Information – keine individuelle tierärztliche Beratung. Fütterung und Nahrungsergänzung bei Erkrankungen, Jungtieraufzucht oder besonderen Bedürfnissen gehören in tierärztliche Hand. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen.
Fragen zur Ernährung & Haltung
futter.de-Redaktion. KI-gestützt erstellt aus unserer geprüften Datenbasis, redaktionell kuratiert.
Tierärztliches Review im Aufbau (Klinik-Partner). Medizinische Aussagen sind quellenbelegt. Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2026.
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