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Haltung & Pflege

Pferdepflege: So pflegst du dein Pferd

Pferdepflege umfasst tägliche Fellpflege, Hufkontrolle, Ernährungsmanagement und Gesundheitsmonitoring — dieser Leitfaden erklärt den korrekten Ablauf mit…

Von Frank MenzeFachjournalistRedaktionell geprüftAktualisiert 15. Juni 2026

Kurz & Klar: Das Wichtigste zur Pferdepflege

Pferdepflege ist eine tägliche Pflicht, die weit über das Bürsten des Fells hinausgeht. Zur vollständigen Routine gehören Fellpflege vor und nach jedem Ritt, tägliche Hufkontrolle und -reinigung, Beobachtung von Vitalparametern sowie ein bedarfsgerechtes Ernährungs- und Wasserversorgungsmanagement. Ein strukturierter Pflegealltag stärkt die Mensch-Tier-Bindung, ermöglicht frühzeitiges Erkennen von Gesundheitsproblemen und trägt wesentlich zum Wohlbefinden des Pferdes bei. 3 Professionelle tierärztliche und hufschmiedseitige Begleitung ergänzt die tägliche Eigenverantwortung und ist durch kein Pflegeprodukt zu ersetzen.

Schritt 1: Tägliche Fellpflege — Ablauf und Zubehör

Die tägliche Fellpflege bildet das Herzstück der Pferdepflege. Sie dient nicht allein der äußeren Sauberkeit, sondern ermöglicht gleichzeitig eine systematische Kontrolle des Hautzustands, der Muskulatur und möglicher Verletzungen. 4

Grundablauf der Fellpflege:

  1. Striegel (Gummistriegel): Mit kreisenden Bewegungen löst der Striegel eingetrockneten Schweiß, Schmutz und loses Unterfell, insbesondere während des Fellwechsels. Er eignet sich für Körperstellen mit gut bemuskeltem Untergrund, nicht für Knochen oder empfindliche Bereiche wie Beine und Gesicht.
  2. Kardätsche (Wurzelbürste): Im Anschluss an den Striegel werden aufgelockerte Schmutzpartikel mit der Kardätsche aus dem Fell gebürstet. Die Bürste wird regelmäßig am Striegel abgeklopft, um Schmutzansammlungen zu vermeiden.
  3. Körperbürste (Flauschbürste/Weiche Bürste): Eine weichere Bürste entfernt den Feinstaub, glättet das Fell und kann im Gesichtsbereich sowie an den Beinen eingesetzt werden. 10
  4. Schweifbürste und Mähnenkamm: Mähne und Schweif werden behutsam entwirrt — zunächst mit den Fingern grobe Knoten lösen, dann mit einem breiten Kamm oder einer Bürste durcharbeiten. Aggressives Kämmen bricht die Haare ab und sollte vermieden werden. 10
  5. Wischtuch/Ledertuch: Abschließend wird das Fell mit einem feuchten Tuch abgewischt, um Staubpartikel zu entfernen und dem Fell Glanz zu verleihen.

Besonderheit Fellwechsel: Zweimal jährlich — im Frühjahr (Februar–April) und im Herbst (September–November) — wechseln Pferde ihr Fell. In dieser Zeit ist intensiveres Bürsten erforderlich, da große Mengen Unterwolle gelöst werden. Regelmäßiges, kräftiges Striegel-Einsatz mehrmals pro Woche erleichtert den Wechsel und beugt Hautirritationen vor. 10

Zubehör-Übersicht: Zum Grundzubehör zählen Gummistriegel, Kardätsche, Körperbürste, Hufkratzer mit Bürste, Mähnen- und Schweifbürste, Schwamm sowie separate Tücher für Augen, Nüstern und After-Bereich. 4 Separate Schwämme für verschiedene Körperbereiche sind aus Hygienegründen zwingend.

Schritt 2: Hufpflege — tägliche Kontrolle und regelmäßiger Hufschmied

Die Hufe sind eines der vulnerabelsten Organe des Pferdes. Regelmäßige Pflege ist essenziell, da Hufprobleme oft schleichend beginnen und unbehandelt zu ernsthaften Lahmheiten führen können. 4

Tägliche Hufkontrolle und -reinigung:

Vor und nach jedem Ritt sowie nach dem Weidegang sollten alle vier Hufe mit dem Hufkratzer ausgeräumt werden. Dabei werden Steinchen, Erde, Pferdeäpfel und Einstreu entfernt. Die Reinigung erfolgt von der Trachte (hinten) zur Zehe (vorne), um den empfindlichen Strahl nicht zu beschädigen. Zeitaufwand: ca. 5–10 Minuten täglich. 6

Bei der Kontrolle ist auf folgende Punkte zu achten:

  • Zustand des Strahls: fester Strahl ohne übelriechende Verfärbungen (Fäulnis durch Dictyocaulus/Fuß-Fäule)
  • Risse oder Abbrüche in der Hufwand
  • Druckstellen oder Wärmeentwicklung im Hufbereich
  • Sitz und Zustand der Hufeisen (bei beschlagenen Pferden)

Hufschmied-Intervall: Unbeschlagene Pferde (Barhufer) benötigen in der Regel alle 6–8 Wochen eine Hufbearbeitung (Ausschneiden/Raspeln). Beschlagene Pferde sind typischerweise alle 5–7 Wochen neu zu beschlagen, da das Hufhorn im Durchschnitt etwa 6–8 mm pro Monat nachwächst. Abweichungen nach Alter, Haltung und Nutzung sind möglich. 6

Hufpflegemittel: Huföle und Hufpflegecremes können die Geschmeidigkeit des Hufhorns unterstützen. Ihre Anwendung ist jedoch konditional — bei trockenen Verhältnissen zum Erhalt der Hufhornelastizität sinnvoll, bei dauerhaft feuchten Bedingungen jedoch mit Bedacht einzusetzen, da übermäßige Feuchtigkeit das Horngewebe erweichen kann. 4 Produkte sollten der jeweiligen Haltungssituation angepasst werden.

Schritt 3: Ernährung und Wasserversorgung — Grundlagen und Kennzahlen

Ernährung ist ein zentraler Bestandteil der täglichen Pferdepflege. Eine bedarfsgerechte Versorgung beeinflusst Fell, Hufqualität, Leistungsvermögen und allgemeine Gesundheit unmittelbar.

Raufutter als Basis:

Pferde sind obligate Raufutterfresser mit einem Verdauungstrakt, der auf kontinuierliche, faserreiche Nahrungsaufnahme ausgelegt ist. Als Richtwert gilt: mindestens 1,5 kg Raufutter (Heu oder Heulage) pro 100 kg Körpergewicht täglich — bei einem 600 kg schweren Warmblut also mindestens 9 kg Heu/Tag. Längere Fressunterbrechungen als 4–6 Stunden erhöhen das Risiko für Magengeschwüre und Kolikgeschehen und sollten vermieden werden. 3

Salzversorgung:

Das NRC empfiehlt, dass Pferderationen 1,6–1,8 g Salz pro kg Futter-Trockenmasse enthalten. 1 Durch Schwitzen können Pferde in nur 1–2 Stunden harter Arbeit mehr als 30 g NaCl verlieren. 1 Ein dauerhaft zugänglicher Salzleckstein oder die bedarfsgerechte Zufütterung von lose verfüttertem Salz ist daher für alle Pferde, insbesondere Arbeitspferde, unverzichtbar.

Calcium und Phosphor:

Das Calcium-Phosphor-Verhältnis im Futter sollte mindestens 1,5:1 betragen und idealerweise nicht über 3:1 liegen. 2 Ein invertiertes Verhältnis (mehr Phosphor als Calcium) kann langfristig zu Skelettproblemen führen, insbesondere bei Jungpferden. Genaue Tagesbedarfswerte variieren nach Körpergewicht, Alter, Trächtigkeit und Leistungsniveau und sollten auf Basis einer individuellen Futteranalyse und tierärztlicher Beratung ermittelt werden. 2

Wasserversorgung:

Wasser ist der wichtigste Nährstoff des Pferdes. Ein Wasserdefizit ab 8–10 % des Körpergewichts gilt als kritisch. 9 Pferde trinken episodisch — nicht kontinuierlich — und bevorzugen frisches, sauberes Wasser. Der tägliche Wasserbedarf liegt je nach Körpergröße, Temperatur, Futterart und Aktivität bei ca. 20–60 Litern. Tränken sollten täglich kontrolliert und mehrmals wöchentlich gereinigt werden. 9

Ergänzungsfutter und Mineralfutter:

Bei ausgewogener Heu-Grundversorgung ist ein hochwertiges Mineralfutter häufig ausreichend. Viele Vitamine und Mineralien lassen sich bei praxisgerechter Haltung nur schwer exakt bedarfsgerecht dosieren; für die Mehrzahl der Mikronährstoffe bestehen deutliche Wissenslücken bezüglich der Präzisionsanforderungen. 8 Gezielte Ergänzungen sollten auf Basis einer Futteranalyse und nach Absprache mit Tierarzt oder Pferdeernährungsberater erfolgen.

Schritt 4: Tägliches Gesundheitsmonitoring — Vitalparameter und Beobachtung

Die tägliche Gesundheitsbeobachtung ist ein unverzichtbarer Teil der Pflegeroutine. Viele Erkrankungen zeigen in einem frühen Stadium subtile Anzeichen, die nur bei regelmäßigem, aufmerksamem Kontakt auffallen. 3

Normalbereiche der wichtigsten Vitalparameter beim adulten Pferd:

  • Körpertemperatur: 37,5–38,5 °C (rektal gemessen)
  • Herzfrequenz: 28–44 Schläge pro Minute (in Ruhe)
  • Atemfrequenz: 8–16 Atemzüge pro Minute (in Ruhe)
  • Darmgeräusche: beidseitig hörbar, regelmäßig
  • Schleimhautfarbe: blassrosa, feucht; Kapillarfüllzeit unter 2 Sekunden

Abweichungen von diesen Werten — besonders in Kombination — erfordern umgehend tierärztliche Abklärung. 6

Was täglich zu beobachten ist:

  1. Fress- und Trinkverhalten: Verweigert das Pferd Futter oder trinkt ungewöhnlich viel oder wenig, kann dies auf Erkrankungen hinweisen.
  2. Kotbeschaffenheit und -menge: Kotkugeln sollten geformt, feucht und in regulärer Menge vorliegen. Durchfall, Kotverhaltung oder sehr trockener Kot sind Warnsignale.
  3. Bewegungsverhalten: Lahmheiten, Steifen, Schonen einzelner Gliedmaßen oder ungewöhnliches Aufsteh- und Hinsetz-Verhalten.
  4. Allgemeinbefinden: Lethargie, Apathie, Schwitzen ohne Arbeit, Koliksymptome (Hinschauen auf den Bauch, Scharren, Wälzen).
  5. Haut und Fell: Pilzinfektionen (Mauke, Raspe), Ekzeme, Parasitenbefall (z. B. Milben bei Barockpferden). 4

Prophylaktische Maßnahmen im Jahresrhythmus:

  • Entwurmung: Strategie nach Kotuntersuchung (Eizahlreduktionstest) und tierärztlicher Empfehlung — mindestens zweimal jährlich oder nach individuellem Ergebnis.
  • Impfungen: Je nach Region und Haltungsbedingungen (Tetanus, Influenza, Herpes — gemäß tierärztlichem Impfplan).
  • Zahnkontrolle: Mindestens einmal jährlich durch Pferdetandärzte oder Tierärzte mit Dentalspezialisierung; Gebissanomalien beeinflussen Futterverwertung und Reitbarkeit erheblich.
  • Hufschmied: Regelmäßige Intervalle wie unter Schritt 2 beschrieben.

Typische Pflegefehler und wie sich diese vermeiden lassen

Auch gut gemeinte Pflege kann Schaden anrichten, wenn Grundprinzipien vernachlässigt werden. Die häufigsten Fehler im Pflegealltag sind:

1. Unzureichende oder übermäßige Reinigung: Zu seltenes Bürsten lässt Schmutz und Schweiß in der Haut eintrocknen, was Hautreizungen begünstigt. Zu aggressives oder zu häufiges Waschen mit Shampoo hingegen entfernt die natürlichen Hautöle des Pferdes und stört die Hautbarriere. Shampoo-Bäder sollten auf notwendige Anlässe beschränkt bleiben. 7

2. Vernachlässigung der Hufpflege: Wer Hufe nur gelegentlich ausräumt, riskiert das Übersehen von Steingallen, Hufgeschwüren oder Strahlproblemen. Die tägliche Hufkontrolle ist kein optionaler Zusatz, sondern Pflichtbestandteil. 4

3. Fehlende Salz- und Mineralversorgung: Viele Halter unterschätzen den Salzbedarf, insbesondere bei arbeitenden Pferden. Schweißbedingte NaCl-Verluste von über 30 g in 1–2 Stunden harter Arbeit können durch einen einfachen Leckstein allein nicht immer vollständig kompensiert werden. 1 Eine gezielte Zufütterung von Mineralfutter und Salz ist nach Leistungsanforderung zu bemessen.

4. Zu lange Fressunterbrechungen: Eine mehrere Stunden andauernde Futterkarenz erhöht das Risiko für Magengeschwüre und Koliken erheblich, da der Pferdemagen kontinuierlich Magensäure produziert. Raufutter ad libitum oder zumindest Intervalle unter 4 Stunden sind anzustreben. 3

5. Falsche Kamm- und Bürstentechnik: Kraftvolles Kämmen durch Knoten zieht Haare aus und bricht die Mähne aus. Richtiges Vorgehen: erst Knoten mit den Fingern lösen, dann von den Haarspitzen zur Haarwurzel arbeiten. 10

6. Fehlende Hygiene bei Pflegeutensilien: Bürsten, Striegel und Schwämme werden von Bakterien und Pilzen besiedelt, wenn sie nicht regelmäßig gereinigt werden. Separate Utensilien pro Pferd sind bei Gemeinschaftshaltung Pflicht, um die Übertragung von Hautpilz (Dermatophytose) zu vermeiden. 4

7. Missachtung saisonaler Anpassungen: Im Winter benötigen geschorene Pferde oder Pferde ohne ausreichendes Winterfell eine Decke bei Temperaturen unter ca. 0 °C (abhängig von Fellzustand und Haltungsform). Im Sommer erhöht sich der Wasserbedarf sowie die Gefahr von Sonnenbrand bei Pferden mit heller Pigmentierung (rosa Haut) an unbedeckten Körperstellen.

Übersicht: Pflegezubehör und Anwendungsbereiche

Utensil Material/Typ Anwendungsbereich Reinigungsintervall
Gummistriegel Gummi, rund/oval Rumpf (nicht Beine/Gesicht) Nach jeder Anwendung ausklopfen, wöchentlich waschen
Kardätsche (Wurzelbürste) Naturborsten/Kunstborsten Rumpf, Schultern, Kruppe Täglich ausklopfen, wöchentlich waschen
Körperbürste (weich) Weiche Borsten Gesicht, Beine, Feinreinigung Wöchentlich waschen
Hufkratzer mit Bürste Metall + Borsten Hufe (alle vier täglich) Nach jeder Anwendung reinigen
Mähnen-/Schweifbürste Mittelhart Mähne, Schweif Wöchentlich waschen
Schwamm (Gesicht) Naturschwamm/Synthetik Augen, Nüstern Täglich ausspülen, wöchentlich desinfizieren
Schwamm (After) Gesondertes Utensil After-/Schlauchbereich Täglich ausspülen, wöchentlich desinfizieren
Wischtuch/Ledertuch Baumwolle/Leder Abschlusspolitur, Fell Wöchentlich waschen
Hufpflegemittel (Öl/Creme) Öl- oder wachsbasis Hufwand, Sohle Nach Bedarf und Witterung

Fazit: Pferdepflege als ganzheitliche Tagesroutine

Pferdepflege ist kein isoliertes Ritual, sondern ein integraler Bestandteil artgerechter Pferdehaltung, der Gesundheit, Wohlbefinden und Mensch-Tier-Beziehung gleichermaßen beeinflusst. 3 Eine strukturierte tägliche Routine — bestehend aus Fellpflege, Hufkontrolle, Vitalzeichenbeobachtung und bedarfsgerechter Ernährung einschließlich ausreichender Salz- und Wasserversorgung 1, 9 — bildet die Grundlage für ein gesundes Pferd.

Die regelmäßige Einbindung von Tierarzt, Hufschmied und ggf. Pferdeernährungsberater ergänzt die eigenverantwortliche Pflege und stellt sicher, dass individuelle Bedürfnisse — nach Alter, Rasse, Leistungsanforderung und Haltungsform — korrekt adressiert werden. Kein Pflegeprodukt und kein Ratgeber kann professionelle tierärztliche Diagnostik und Beratung ersetzen.

Quellen

  1. [1]Nutritional Requirements of Horses and Other Equidsweb_authority
  2. [2]The nutrient requirements of horses: historical perspectives - PMCweb_authority
  3. [3]Pferdepflege – Ein Leitfaden für eine artgerechte Betreuung | Remtorweb
  4. [4]Pferdepflege-Produkte online kaufen | kraemer.deweb
  5. [5]Wissenswerte Tipps von Profis rundum das Thema Pferdepflegeweb
  6. [6]Pferdehaltung | Dehner.deweb
  7. [7]Pferdepflegeweb
  8. [8]How to Properly Conduct an Equine Nutrition Evaluationweb
  9. [9]NRC panel updates Nutrient Requirements for Horses - DVM360web
  10. [10]Pferdepflege - Wie pflege und putze ich mein Pferd richtig?web

Hinweis

Dieser Ratgeber ist allgemeine, datenbasierte Information – keine individuelle tierärztliche Beratung. Fütterung und Behandlung bei Erkrankungen, Jungtieraufzucht oder besonderen Bedürfnissen gehören in tierärztliche Hand. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen.

Häufige Fragen

Was Tierhalter oft fragen