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Ernährung & Futter

Ergänzungsfutter Pferd: MSM, Fenchel & Co.

Welche Ergänzungsfuttermittel Pferde wirklich brauchen, wie MSM, Fenchel, Mineralien und Kräuter sinnvoll eingesetzt werden und worauf beim Kauf zu achten…

Von Frank MenzeFachjournalistRedaktionell geprüftAktualisiert 15. Juni 2026

Kurzantwort: Ergänzungsfutter beim Pferd

Die Basis jeder Pferdeernährung bildet rohfaserreiches Raufutter – Heu, Stroh und Weidegraß 2. Ergänzungsfuttermittel schließen gezielt Lücken, die durch einseitiges Grundfutter, intensive Nutzung oder besondere Lebensphasen entstehen. Welche Supplements sinnvoll sind, hängt von einer Futteranalyse und dem individuellen Bedarf des Tieres ab; pauschale Gaben ohne Bedarfsnachweis können zu Überversorgungen führen 9. Eine tierärztliche oder ernährungskundliche Beratung ist vor der Einführung von Ergänzungsmitteln empfehlenswert.

Grundlagen: Warum Ergänzungsfutter beim Pferd ein Thema ist

Pferde sind physiologisch auf eine kontinuierliche Aufnahme von Raufutter ausgelegt. Heu, Stroh und Gras liefern die nötige Rohfaser für eine funktionierende Darmperistaltik und eine stabile Mikrobiomstruktur im Hindgut 2. In der Praxis deckt Raufutter allein jedoch selten alle Nährstoffbedarfe vollständig ab: Mineralstoffgehalte im Heu variieren je nach Boden, Schnittzeitpunkt und Lagerung erheblich; intensive sportliche Belastung erhöht den Bedarf an bestimmten Elektrolyten und Aminosäuren; und spezifische Lebensphasen wie Trächtigkeit, Laktation oder Wachstum stellen eigene Anforderungen an die Versorgung 9.

Die Grundlage für Empfehlungen zu Nährstoffbedarfen beim Pferd liefern die „Nutrient Requirements of Horses“ des National Research Council (NRC), die auf umfangreichen Fütterungsstudien basieren 9. Ergänzend greifen Softwarelösungen und Ernährungsberater auf diese Daten zurück, um individuelle Rationen zu berechnen 8. Erst wenn die Basisversorgung durch Raufutter und gegebenenfalls Mineralfutter bekannt ist, lässt sich beurteilen, welche weiteren Supplemente tatsächlich einen Mehrwert bringen.

Mineralfutter und Elektrolyte: Bedarf, Dosierung und Quellen

Mineralstoffe zählen zu den am häufigsten supplementierten Nährstoffgruppen beim Pferd. Das NRC unterscheidet zwischen Makromineralen – darunter Natrium, Chlorid, Calcium, Phosphor, Magnesium und Schwefel – und Spurenelementen wie Eisen, Kupfer, Zink, Mangan, Selen und Jod 9.

Natrium und Chlorid (Kochsalz): Das NRC empfiehlt einen Salzgehalt von 1,6–1,8 g Kochsalz pro Kilogramm Futter-Trockenmasse (entspricht 16–18 g/kg TM) 1. Bei schweißtreibender Arbeit sind Verluste von über 30 g Natriumchlorid in nur einer bis zwei Stunden möglich 1. Eine freie Salzleckstein-Versorgung ergänzt die Basisration; bei Sportpferden sind gezielte Elektrolytgaben nach intensivem Training gängige Praxis, da Schwei ß neben NaCl auch Kalium und Magnesium enthält 1.

Calcium und Phosphor: Das Verhältnis von Calcium zu Phosphor sollte idealerweise zwischen 1,5:1 und 2:1 liegen. Wiesenheu liefert in der Regel mehr Calcium als Getreide, das hingegen phosphorreich ist. Eine Inversion des Verhältnisses (mehr Phosphor als Calcium) gilt als problematisch für die Knochengesundheit 9.

Magnesium: Wird zunehmend bei nervösen oder muskelverspannten Pferden diskutiert. Die Datenlage zu therapeutischen Effekten ist begrenzt; eine Basisversorgung sollte durch die Ration sichergestellt sein 9.

Selen: Ein Spurenelement mit enger therapeutischer Breite. Mangel äußert sich in Muskelschwäche (nutritive Muskeldystrophie), Überversorgung führt zur Selenose mit Hufrehe-ähnlichen Symptomen und Haarausfall. Die Supplementierung sollte ausschließlich auf Basis einer Blut- oder Futteranalyse erfolgen 9.

Handelsübliche Mineralfuttermittel sind in Pulver-, Pellet- oder Flüssigform erhältlich und kombinieren Makro- und Spurenelemente in abgestimmten Verhältnissen 4, 6.

MSM (Methylsulfonylmethan): Schwefelquelle für Gelenke und Bindegewebe

Methylsulfonylmethan (MSM) ist eine organische Schwefelverbindung, die in Fütterungsstudien beim Pferd vor allem im Kontext von Gelenk- und Bindegewebsgesundheit untersucht wird. Schwefel ist ein Baustein von Aminosäuren wie Methionin und Cystein sowie von Glykosaminoglykanen (z. B. Chondroitinsulfat), die im Gelenkknorpel vorkommen 9.

In der Praxis wird MSM häufig in Tagesdosen von 10–20 g pro Tier eingesetzt, wobei genaue Bedarfsangaben aus kontrollierten Studien beim Pferd bislang limitiert sind. Hersteller und Ernährungsberater empfehlen eine Eingewöhnungsphase, da höhere Schwefeldosen die Darmflora beeinflussen können. MSM gilt als gut verträglich; unerwünschte Wirkungen bei praxisüblichen Dosen sind selten beschrieben 5.

Wichtig: MSM ist kein Arzneimittel und ersetzt keine veterinärmedizinische Diagnose oder Behandlung bei bestehenden Gelenkserkrankungen. Die vorhandene Studienlage beim Pferd ist weniger belastbar als beim Kleintier oder beim Menschen; eine pauschale Wirkungsaussage wäre nicht gerechtfertigt 5.

Kräuter als Ergänzungsfutter: Fenchel, Kamille und weitere

Kräuter und Pflanzenauszüge gehören zu den traditionell eingesetzten Futterzusätzen in der Pferdehaltung. Ihre Wirkstoffe umfassen ätherische Öle, Flavonoide, Bitterstoffe, Gerbstoffe und Schleimstoffe, die unterschiedliche physiologische Wirkungen entfalten können 7.

Fenchel (Foeniculum vulgare): Die Früchte und das Kraut enthalten ätherische Öle, vorwiegend trans-Anethol und Fenchon. Fenchel wird traditionell zur Unterstützung der Verdauungsfunktion und gegen Blähungen eingesetzt. Die Plausibilität beruht auf spasmolytischen und carminativen Eigenschaften der enthaltenen ätherischen Öle; belastbare kontrollierte Studien am Pferd sind rar 7.

Kamille (Matricaria chamomilla): Reich an Bisabolol und Matricin (Azulen). Kamille wird wegen ihrer schleimhautschützenden und mild krampflösenden Eigenschaften bei Pferden mit empfindlichem Verdauungstrakt supplementiert 7.

Brennnessel (Urtica dioica): Liefert Eisen, Calcium und Vitamin C in relevantem Umfang; wird als Allgemeintonikum und zur Unterstützung des Stoffwechsels im Fellwechsel eingesetzt 7.

Ingwer (Zingiber officinale): Enthält Gingerole und Shogaole; im Pferdesport wegen potenziell antientzündlicher Eigenschaften diskutiert. Achtung: Ingwer steht auf der Dopingliste der FEI (Fédération Équestre Internationale) und darf Turnierpferden nicht verabreicht werden 7.

Mariendistel (Silybum marianum): Silymarin, der Wirkstoffkomplex aus der Mariendistel, wird zur Unterstützung der Leberfunktion eingesetzt. Wissenschaftliche Evidenz aus kontrollierten Studien beim Pferd ist limitiert; plausible Mechanismen aus In-vitro- und Kleintierforschung liegen vor 7.

Grundsätzlich gilt: Kräutergaben sollten dosiert erfolgen; eine Dauerverabreichung ohne Pause wird von manchen Ernährungsexperten kritisch gesehen, da sich die Effekte von Bitterstoffen und ätherischen Ölen abschwächen können. Produkte mit standardisierten Wirkstoffgehalten sind analytisch kontrollierbaren Frischkräutern vorzuziehen, wenn eine reproduzierbare Dosierung erwünscht ist 3, 7.

Weitere verbreitete Ergänzungsmittel: Biotin, Omega-3-Fettsäuren, Probiotika

Biotin: Das B-Vitamin Biotin (Vitamin B7) ist einer der am besten untersuchten hufbezogenen Supplementierstoffe beim Pferd. Studien zeigen, dass eine Supplementierung von 20 mg Biotin pro Tag (20 mg/d) bei Pferden mit weichem oder brüchigem Hufhorn die Hornqualität verbessern kann – allerdings erst nach einem Supplementierungszeitraum von mehreren Monaten, da Huf horn langsam nachwächst (ca. 0,6–1 cm/Monat) 9. Bei Pferden mit bereits ausreichender Biotinversorgung ist der Zusatznutzen geringer.

Omega-3-Fettsäuren: Leinöl und Leinsamen sind die gebräuchlichsten pflanzlichen Omega-3-Quellen beim Pferd und liefern Alpha-Linolensäure (ALA). Algen- oder Fischöl liefern die längerkettigen EPA und DHA. Omega-3-Fettsäuren werden im Kontext entzündlicher Prozesse am Bewegungsapparat diskutiert. Frisches Weidegras enthält von Natur aus nennenswerte Mengen an ALA, die mit zunehmendem Trocknungsprozess (Heu) abnehmen 9.

Probiotika und Präbiotika: Probiotisch wirksame Mikroorganismen (z. B. Saccharomyces cerevisiae, Lactobacillus-Stämme) werden zur Stabilisierung der Darmflora und Unterstützung der Verdauung eingesetzt, insbesondere bei Futterumstellungen, nach Antibiotikagaben oder bei stressanfälligen Pferden 3. Die Studienlage beim Pferd ist heterogen; Effekte auf Faserfermentation und Kotqualität sind für bestimmte Hefestämme dokumentiert.

Teufelskralle (Harpagophytum procumbens): Wird häufig als pflanzliches Mittel bei Bewegungsunlust und Steifigkeit eingesetzt. Harpagoside, die Hauptwirkstoffe, stehen ebenfalls auf der FEI-Dopingliste und sind für Turnierpferde nicht geeignet 7.

Hyaluronsäure: Wird oral oder intravenös (als Tierarzneimittel) zur Unterstützung der Gelenkschmiere (Synovia) eingesetzt. Orale Bioverfügbarkeit von oral gegebener Hyaluronsäure wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert; Effekte sind weniger gut belegt als bei intraartikulärer Anwendung 5.

Wann Ergänzungsfutter sinnvoll ist – und wann nicht

Eine der häufigsten Fehlerquellen in der Pferdeernährung ist die Mehrfachsupplementierung ohne vorherige Bedarfserhebung. Wenn Mineralfutter, Kräutermischung, Gelenksupplement und Biotinpräparat gleichzeitig gefüttert werden, können einzelne Nährstoffe wie Selen, Kupfer oder Zink in den Überversorgungsbereich gelangen 9.

Empfohlene Vorgehensweise:

  1. Raufutteranalyse: Eine Heuanalyse (z. B. auf Mineral-, Energie- und Rohproteingehalt) liefert die Basis für eine seriöse Rationsberechnung. Kosten liegen typischerweise im zweistelligen Euro-Bereich pro Probe.
  2. Blutbild: Für Spurenelemente wie Selen und Eisen liefert ein Blutbild wichtige Orientierungswerte. Grenzbereiche sollten im veterinärmedizinischen Kontext interpretiert werden.
  3. Leistungs- und Lebensphase berücksichtigen: Sportpferde, trächtige und laktierende Stuten sowie Senioren haben andere Bedarfsprofile als ein gesundes Freizeitpferd im leichten Einsatz 2, 9.
  4. Produkte mit deklarierten Gehalten bevorzugen: Nur Ergänzungsfuttermittel mit ausgewiesenen Nährstoffgehalten pro Tagesdosis ermöglichen eine sinnvolle Einbindung in die Gesamtration 4, 6.

Eine pauschale Supplementierung „auf Verdacht“ birgt neben dem Risiko der Überversorgung auch das Risiko, tatsächliche Defizite oder Erkrankungen zu überdecken, die einer veterinärmedizinischen Abklärung bedürfen.

Vergleich häufiger Ergänzungsfuttermittel beim Pferd

Supplement Hauptwirkstoffe / Nährstoffe Typische Einsatzbereiche Besonderheiten / Hinweise
Mineralfutter Makro- und Spurenelemente (Ca, P, Mg, Se, Zn, Cu u. a.) Basisversorgung, Ausgleich von Heudefiziten Bedarfsanalyse vor Einsatz empfohlen; Selen enge therapeutische Breite 9
Kochsalz / Elektrolyte NaCl, K, Mg Alltagsversorgung, Sporteinsatz, Hitzephasen NRC: 1,6–1,8 g Salz/kg Futter-TM; bei Arbeit >30 g NaCl-Verlust/1–2 h möglich 1
MSM Organischer Schwefel Gelenk- und Bindegewebsunterstützung Kein Arzneimittel; Studienlage beim Pferd begrenzt 5
Biotin Vitamin B7 Hufhornqualität 20 mg/Tag; Wirkung erst nach Monaten sichtbar 9
Fenchel / Kräuter Ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide Verdauungsunterstützung, Allgemeinpflege Dosiert einsetzen; Ingwer und Teufelskralle auf FEI-Dopingliste 7
Omega-3-Fettsäuren ALA (Leinöl), EPA/DHA (Algenöl) Entzündungsmodulation, Fellqualität Frisches Gras enthält ALA; in Heu reduziert 9
Probiotika Saccharomyces cerevisiae, Lactobacillus spp. Darmflora-Stabilisierung, Futterumstellung Heterogene Studienlage; Hefestämme am besten untersucht 3
Hyaluronsäure (oral) Hochmolekulare HA Gelenkunterstützung Orale Bioverfügbarkeit wissenschaftlich umstritten 5

Wann ist tierärztliche Beratung unbedingt erforderlich?

Ergänzungsfuttermittel ersetzen keine veterinärmedizinische Diagnose und Behandlung. Folgende Situationen erfordern zwingend tierärztliche Abklärung, bevor Supplemente eingesetzt oder verändert werden:

  • Bestehende Erkrankungen des Bewegungsapparates (Arthrose, Hufrehe, Lahmheit ungeklärter Ursache)
  • Verdacht auf Mangelversorgung (Gewichtsverlust, Leistungsabfall, Fellveränderungen, brüchige Hufe)
  • Geplante Selen-Supplementierung (enge therapeutische Breite, Toxizitätsrisiko bei Überversorgung) 9
  • Trächtige und laktierende Stuten sowie Fohlen (erhöhter und veränderter Nährstoffbedarf)
  • Pferde mit Stoffwechselerkrankungen (EMS, PPID/Cushings) – hier können bestimmte Kräuter oder Energieträger kontraindiziert sein
  • Turnierpferde: Prüfung aller Supplemente auf FEI-Dopingkonformität vor Einsatz 7

Fazit: Gezielte Ergänzung statt Pauschalgabe

Ergänzungsfuttermittel für Pferde decken ein breites Spektrum ab – von Mineralfutter und Elektrolyten über MSM und Biotin bis hin zu Kräutern wie Fenchel oder Kamille. Keines dieser Produkte ist per se unnötig oder überflüssig; ihr Mehrwert hängt jedoch ausschließlich davon ab, ob ein tatsächlicher Bedarf besteht 2, 9.

Die NRC-Empfehlungen bilden die international anerkannte Grundlage für Bedarfswerte beim Pferd 9. Wer auf ihrer Basis eine Heuanalyse und gegebenenfalls ein Blutbild erstellen lässt, kann Supplemente punktgenau einsetzen – und vermeidet sowohl kostspielige Überversorgungen als auch gefährliche Mängel. Besonders bei Selen, Kupfer und Zink ist die Linie zwischen Unter- und Überversorgung schmal 9.

Für Turnierpferde ist zudem die Prüfung jedes Supplements auf FEI-Dopingkonformität obligatorisch, da natürliche Inhaltsstoffe wie Harpagoside (Teufelskralle) oder Gingerole (Ingwer) positiv getestet werden können 7.

Ein strukturiertes Fütterungsmanagement – Raufutter als Fundament, Mineralfutter zur Basisergänzung, weitere Supplemente bei dokumentiertem Bedarf – ist der zuverlässigste Weg zu einer bedarfsgerechten Versorgung.

Quellen

  1. [1]Nutritional Requirements of Horses and Other Equidsweb_authority
  2. [2]Zusatzfutter Pferde: Welches Zusatzfutter braucht mein Pferdweb
  3. [3]Pferdegold® - Ergänzungsfuttermittel für Pferde.web
  4. [4]Hochwertige Ergänzungfuttermittel für Pferdeweb
  5. [5]Ergänzungsfutter & Ernährungsberatung für Pferde - Natural Horse Careweb
  6. [6]Zusatzfutter Pferd » wertvolle Nährstoffe kaufen | ATCOMweb
  7. [7]Zusatzfutter für Pferde - Ist das nötig?web
  8. [8]Is FeedXL Based on the NRC 'Nutrient Requirements of Horses'?web
  9. [9]NRC Nutrient Requirements Of Horses | SUCCEED Equine Blogweb

Hinweis

Dieser Ratgeber ist allgemeine, datenbasierte Information – keine individuelle tierärztliche Beratung. Fütterung und Behandlung bei Erkrankungen, Jungtieraufzucht oder besonderen Bedürfnissen gehören in tierärztliche Hand. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen.

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