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Ernährung & Futter

Heu & Raufutter für Pferde: Menge & Qualität

Welche Heumenge Pferde täglich benötigen, woran gute Qualität erkennbar ist und wie Raufutter korrekt gelagert wird – ein konsolidierter Fachüberblick.

Von Frank MenzeFachjournalistRedaktionell geprüftAktualisiert 15. Juni 2026

Kurzantwort

Raufutter bildet die unverzichtbare Grundlage der Pferdefütterung. Als Mindestmenge gelten 0,8–1,0 kg Raufutter je 100 kg Körpermasse pro Tag 2; empfohlen wird eine Gesamtversorgung von 1,5–2,0 kg Heu je 100 kg Körpermasse täglich, um den Bewegungsapparat des Verdauungstrakts ausreichend zu stimulieren 2. Qualitativ hochwertiges Heu des ersten Schnitts sollte die Basis jeder Pferdefütterung bilden 3. Hygienische Mängel – insbesondere überhöhte Hefe- und Schimmelzahlen – disqualifizieren ein Heu unabhängig von seinen sonstigen Nährwerten für die Verfütterung 5.

Warum Raufutter für Pferde unverzichtbar ist

Das Verdauungssystem des Pferdes ist evolutionär auf eine kontinuierliche Aufnahme von Raufutter ausgelegt. Das Tier ist von Natur aus ein Steppenbewohner, das täglich 12–16 Stunden mit der Nahrungsaufnahme verbringt. Der Magen des Pferdes ist im Verhältnis zur Körpergröße vergleichsweise klein 2, weshalb große Einzelmahlzeiten mit schnell fermentierbaren Kohlenhydraten physiologisch ungünstig sind. Stattdessen ist eine kontinuierliche, faserreiche Zufuhr notwendig, um den Säurehaushalt im Magen zu puffern, die Darmpassage aufrechtzuerhalten und Verhaltens- sowie Gesundheitsstörungen vorzubeugen.

Raufutter – also Heu, Heulage, Stroh oder frisches Gras – versorgt das Pferd nicht nur mit Energie und Rohfasern, sondern fördert auch die Speichelproduktion. Speichel wirkt als natürlicher Puffer gegen Magensäure. Wird Raufutter in zu geringen Mengen oder mit zu langen Pausen gefüttert, steigt das Risiko für Magengeschwüre und Koliken erheblich. Die Mindestmenge von 0,8–1,0 kg Raufutter je 100 kg Körpermasse und Tag gilt daher als absolute Untergrenze, die keinesfalls dauerhaft unterschritten werden sollte 2.

Bedarfsgerechte Raufuttermengen: Empfehlungen und Differenzierung

Die Empfehlung zur täglichen Raufuttermenge hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Während früher häufig 1,0 kg Heu je 100 kg Körpermasse als Orientierungswert galt, geht die aktuelle Fachliteratur von einem Optimum von 1,5–2,0 kg Raufutter je 100 kg Körpermasse pro Tag aus 2. Bei einem 500 kg schweren Warmblut entspricht das 7,5–10,0 kg Heu täglich.

Diese Mengenangaben beziehen sich auf die Frischmasse des Heus und setzen eine mittlere Trockenmassegehalt von etwa 85–88 % voraus. Für die Berechnung des tatsächlichen Nährstoffgehalts ist stets die Trockenmasse (TM) heranzuziehen.

Differenzierung nach Nutzungsgruppe und physiologischem Status:

  • Erhaltungsbedarf (Freizeit- und leicht arbeitende Pferde): 1,5–2,0 kg Raufutter je 100 kg KM/Tag decken den Bedarf in der Regel ab, sofern das Heu mittlere Qualität aufweist.
  • Tragende und laktierende Stuten: Der Energiebedarf steigt erheblich; laktierende Stuten benötigen je nach Körpergewicht und Laktationsphase deutlich mehr Energie, wie vergleichbare NRC-Empfehlungen für Equiden verdeutlichen 1. Raufutter allein reicht häufig nicht aus; eine Ergänzung mit Kraftfutter ist zu prüfen.
  • Wachsende Pferde (Fohlen, Jährlinge): Hoher Protein- und Mineralbedarf; Raufutter sollte proteinreiches Heu (Leguminosenanteile) oder entsprechende Ergänzungen umfassen.
  • Übergewichtige Pferde und Ponys: Ponyrassen neigen zu Übergewicht und metabolischen Störungen 1. Hier kann eine Reduktion auf 1,0–1,5 kg Raufutter je 100 kg KM/Tag indiziert sein; in jedem Fall ist eine tierärztliche oder ernährungsberaterische Begleitung empfohlen.
  • Sportpferde in intensivem Training: Erhöhter Energiebedarf wird vorrangig über Kraftfutter gedeckt, jedoch darf die Raufuttermenge nicht unter die Mindestgrenze von 0,8 kg je 100 kg KM/Tag fallen 2.

Die Aufteilung der Tagesmenge auf mehrere Gaben – mindestens zwei, besser drei oder Heuraufen mit Dauerangebot – entspricht der natürlichen Futteraufnahme und ist aus physiologischer Sicht der einmaligen großen Ration vorzuziehen.

Qualitätsmerkmale von Heu: Sensorische und analytische Beurteilung

Die Qualität von Pferdeerheu lässt sich auf zwei Ebenen beurteilen: sensorisch (Sinneseindrücke vor Ort) und analytisch (Laboruntersuchung). Beide Ebenen ergänzen sich und sollten bei regelmäßigen Großabnehmern oder unbekannten Lieferanten kombiniert werden.

Sensorische Qualitätskriterien:

Farbe: Gutes Heu ist grün bis gelblich-grün und zeigt noch erkennbare Blattstrukturen. Braunes, graues oder fast weißes Heu deutet auf Übertrocknung, Regen- oder Lagerungsschäden hin 4.

Geruch: Hochwertiges Heu riecht angenehm aromatisch-grasig. Muffiger, schimmeliger oder säuerlicher Geruch ist ein eindeutiges Ausschlusskriterium. Auch leicht säuerliche Noten können auf Feuchteprobleme während der Trocknung hinweisen 4.

Struktur und Botanik: Ein artenreicher Bestand mit verschiedenen Gräsern und Kräutern ist qualitativ einem Monokulturgras überlegen 6. Heu des ersten Schnitts, geerntet im frühen Rispenstadium, weist in der Regel günstige Nährwertverhältnisse auf 3. Heu des zweiten und dritten Schnitts kann proteinreicher, aber auch hygienisch heikler sein.

Verunreinigungen: Staub, Erdreste, Steine, Plastikteile oder verdorrte Unkräuter mindern die Qualität erheblich. Giftige Pflanzen wie Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) oder Schachtelhalm (Equisetum spp.) dürfen im Heu nicht vorkommen und können auch getrocknet toxisch wirken 4.

Feuchtegehalt: Zu feuchtes Heu (Wassergehalt > 15–18 %) schimmelt während der Lagerung. Eine Faustregel: Heu soll beim Zusammendrehen nicht mehr feucht wirken und darf keine Wärmeentwicklung im Ballen zeigen 4.

Analytische Qualitätskriterien:

Eine Laboranalyse liefert Angaben zu Rohprotein, Rohfaser, Rohasche, Rohfett, Energiegehalt (MJ ME/kg TM) sowie zum Gehalt an Mineralstoffen und ggf. Mykotoxinen. Für Pferde mit metabolischen Erkrankungen (z. B. Equines Metabolisches Syndrom, Cushing-Syndrom) ist die Kenntnis des Zuckergehalts (wasserlösliche Kohlenhydrate, WSC) besonders relevant. Eine regelmäßige Analyse ist bei größeren Betrieben und bei Pferden mit erhöhten ernährungsmedizinischen Anforderungen empfehlenswert.

Hygienische Qualität: Schimmel, Hefen und Keimbelastung

Neben den sensorischen und nährwertbezogenen Eigenschaften ist die hygienische Qualität des Heus für die Gesundheit des Pferdes von entscheidender Bedeutung. Mikrobiologische Kontaminationen – insbesondere durch Schimmelpilze (Aspergillus spp., Fusarium spp.) und Hefen – entstehen vorwiegend durch unvollständige Trocknung, Regen während der Feldliegephase oder ungeeignete Lagerungsbedingungen.

Eine Einstufung in Qualitätsstufen ist in der Praxis üblich. Heu, bei dem die Hefezahl den zehnfachen Normalwert überschreitet, wird in Qualitätsstufe 4 eingeordnet und gilt als verdorben; eine Verfütterung an Pferde ist dann nicht mehr zulässig – und zwar unabhängig davon, wie günstig seine übrigen Parameter (z. B. Rohproteingehalt) ausfallen 5.

Mykotoxine, die von Schimmelpilzen gebildet werden, sind hitzebeständig und werden durch Trocknung nicht inaktiviert. Sie können auch dann noch toxisch wirken, wenn der Schimmelpilz selbst nicht mehr lebensfähig ist. Klinische Zeichen einer Mykotoxikose beim Pferd sind unspezifisch und reichen von Leistungsabfall und Fressunlust bis zu neurologischen Symptomen. Bei Verdacht ist eine tierärztliche Abklärung sowie eine Laboruntersuchung des Futters notwendig.

Auch eine erhöhte Staubbelastung – meist durch Pilzsporen und Aktinomyzeten – wirkt sich negativ auf die Atemwegsgesundheit aus und kann das sogenannte "Dämpfigkeitssyndrom" (Recurrent Airway Obstruction, RAO) begünstigen oder verschlimmern. Für atemwegsempfindliche Pferde empfiehlt sich das Wässern oder Dämpfen des Heus, was die Sporenkonzentration in der Atemluft deutlich reduziert, ohne den Nährstoffgehalt wesentlich zu beeinträchtigen.

Raufuttertypen im Vergleich: Merkmale und Eignung

Raufuttertyp Trockenmassegehalt Typischer Einsatz Hygienische Besonderheiten Hinweise
Heu (1. Schnitt) ca. 85–88 % Basis für alle Pferde Schimmelrisiko bei > 15–18 % Feuchte Empfohlen als Hauptraufutter 3
Heu (2./3. Schnitt) ca. 85–88 % Proteinergänzung Erhöhtes Heferisiko, intensive Kontrolle nötig Häufig proteinreicher, WSC-Gehalt prüfen
Heulage / Silage ca. 50–70 % Atemwegsempfindliche Pferde Anaerobe Fermentation, Listeriengefahr bei Lufteinschluss Streng hygienische Herstellung nötig
Stroh (Getreide) ca. 85–90 % Energiearme Sättigungskomponente Mykotoxinrisiko (Getreidestroh) Nicht als alleiniges Raufutter geeignet
Heubögen / Heucobs ca. 88–90 % Ergänzung bei Zahnproblemen Abhängig von Ausgangsqualität Nährwertanalyse des Herstellers prüfen

Lagerung und Beschaffung: Qualität erhalten

Die Qualität von Heu zum Zeitpunkt der Ernte ist der Ausgangspunkt – entscheidend ist jedoch, wie es bis zur Verfütterung gelagert wird. Selbst einwandfreies Heu kann durch fehlerhafte Lagerung innerhalb weniger Wochen hygienisch minderwertig werden 4.

Lagerbedingungen:

  • Trockenheit: Heu muss trocken gelagert werden. Feuchtigkeit von unten (fehlende Bodenbelüftung) oder von oben (undichtes Dach) begünstigt Schimmelbildung. Paletten oder Holzroste unter den Ballen verbessern die Luftzirkulation.
  • Belüftung: Gute Luftzirkulation verhindert Wärmenester, die entstehen können, wenn Heu zu feucht eingelagert wurde. Heu mit Temperaturen > 55 °C im Balleninneren ist als schimmelig einzustufen und darf nicht verfüttert werden.
  • Lichtschutz: Direkte Sonneneinstrahlung beschleunigt den Abbau von Carotinoiden (Vorstufe von Vitamin A) und vermindert den Nährwert.
  • Lagerdauer: Optimal ist die Verfütterung innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der Ernte. Älteres Heu verliert zunehmend Vitamine und kann bei schlechter Lagerung mikrobiell belastet sein.

Beschaffungsempfehlungen:

Bei der Auswahl eines Heulieferanten empfiehlt sich die Besichtigung der Lagerstätte und die Anforderung eines aktuellen Analysezertifikats. Wer regelmäßig größere Mengen abnimmt, sollte eigene Stichprobenanalysen durch ein akkreditiertes Futtermittellabor veranlassen. Dies gilt insbesondere für Pferde mit besonderen Anforderungen (Metabolisches Syndrom, Cushing, Atemwegserkrankungen). Der Schnittzeitpunkt – idealerweise kurz vor oder zu Beginn der Blüte der Leitgräser – beeinflusst sowohl Nährwert als auch hygienische Qualität maßgeblich 6. Eine artenreiche Saatmischung mit verschiedenen Gräsern und Kräutern ist einem Einartsgrasland als Ausgangsbasis vorzuziehen 6.

Fazit

Raufutter – allen voran Heu – ist die nutritive und verhaltensbiologische Grundlage der Pferdefütterung und lässt sich durch kein anderes Futtermittel vollständig ersetzen. Die Mindestmenge von 0,8–1,0 kg je 100 kg Körpermasse und Tag darf dauerhaft nicht unterschritten werden; angestrebt werden sollten 1,5–2,0 kg je 100 kg Körpermasse täglich 2. Qualitativ steht die hygienische Einwandfreiheit an erster Stelle: Heu mit überhöhten Hefe- oder Schimmelzahlen ist ungeachtet seiner sonstigen Eigenschaften für die Verfütterung ungeeignet 5. Sensorische Beurteilung (Farbe, Geruch, Botanik, Verunreinigungen) und – bei Bedarf – Laboranalysen ermöglichen eine fundierte Qualitätsentscheidung 4. Lagerung unter trockenen, gut belüfteten Bedingungen sichert die Qualität bis zur Verfütterung. Bei Pferden mit spezifischen Erkrankungen oder erhöhtem Nährstoffbedarf ist eine tierärztliche oder tierernährungsberaterische Begleitung unerlässlich.

Quellen

  1. [1]Nutritional Requirements of Horses and Other Equidsweb_authority
  2. [2][PDF] Feed and Feeding-related Damage in Horses using Case Examplesweb_authority
  3. [3]Gutes Heu fürs Pferd - Heu aufwerten | LEXAweb
  4. [4]Heubeurteilung so erkennen Sie die Qualitt - ProPferd.at - sterreichs unabhngiges Pferde-Portal - Wissen / Aktuelles Wissenweb
  5. [5][PDF] Pferdefütterung: Wie gut ist unser Heu wirklich? Teil 1: Mikrobiologieweb
  6. [6]Heu für Pferde – so wird hochwertiges Futter daraus!web

Hinweis

Dieser Ratgeber ist allgemeine, datenbasierte Information – keine individuelle tierärztliche Beratung. Fütterung und Behandlung bei Erkrankungen, Jungtieraufzucht oder besonderen Bedürfnissen gehören in tierärztliche Hand. Bei akuten oder anhaltenden Symptomen bitte einen Tierarzt oder eine Tierklinik aufsuchen.

Häufige Fragen

Was Tierhalter oft fragen